„Man soll dem Körper etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat darin zu wohnen.“ (Winston Churchill)

Die tägliche Ernährung beeinflusst auf vielerlei Art und Weise das Leben jedes einzelnen Menschen. Es bestehen Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Wohlbefinden, sowie körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, welche durch die Ernährung zu großen Teilen mit beeinflusst werden.

 

Zwischen 1950 und 2000 hat sich die Ernährungsweise radikal verändert. Nach dem Krieg setzte eine regelrechte „Fresswelle“ ein, weil üppige Ernährung als Wohlstandssymbol galt. Einige Jahre später stand man dem Problem „Übergewicht“ gegenüber, welches zahlreiche Krankheiten auslöste. Die Lebensmittelqualität wurde wichtiger und in den 1980iger Jahren setzte die „Vollwertwelle“ ein. Diese Welle verschwand schnell aufgrund der aufwendigen Speisenzubereitung. Geblieben ist die Vorliebe für gesunde Nahrungsmittel. Es folgte die Diät-, Light- und „Fast-Food-Welle“.

 

Durch den Überfluss an Nahrungsmitteln, der Überflutung mit Informationen über richtige und gesunde Ernährung und das bestehende Schönheitsideal hat sich der Stellenwert der Ernährung und des Essens in unserer Gesellschaft verändert. Vor allem in Industrieländern kommt es zunehmend zu Störungen des Essverhaltens. Dazu zählen nicht nur Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht), sondern auch Phänomene, wie gezügeltes Essverhalten, Binge-Eating (Essanfälle), Adipositas (Fettleibigkeit) und nicht zuletzt Orthorexia nervosa (zwanghaftes Gesundessen).

 

Ernährung ist nicht gleich Essen. Ernährung unterscheidet zwei Dinge:

  • die Nahrung an sich und
  • das Essverhalten (wie wir essen, wann wir essen, warum wir essen, was wir essen)

 

DIE NAHRUNG

 

Nahrung ist Energie- und Kraftspender für unseren Körper. Wir müssen Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Flüssigkeit zu uns nehmen.

 

Wenn wir uns müde fühlen, vergesslich sind, Haarausfall haben, übergewichtig sind oder auch einen unerfüllten Kinderwunsch haben, etc., kann ein Nährstoffmangel dahinterstecken. Eine Blutuntersuchung beim Hausarzt kann mögliche Mängel gut erkennen und mithilfe von Nahrungsmittelergänzungen gut beheben.

 

ABER! Man sollte sich trotzdem die Frage stellen: Wie kam es zu diesem Mangel? UND: Was kann ich tun, damit es nicht wieder zu diesem Mangel kommt?

 

Liegen alle Blutwerte im Normalbereich, könnte hinter den Beschwerden etwas anderes verborgen sein: ein stressiger Alltag, komplizierte Beziehungen, frühere Traumata, Überlastung, zu viel Stress, etc. Psychologische Beratung kann hier helfen. Es kann auch sein, dass der Körper gerade so viele Nährstoffe bekommt, dass kein Mangel sichtbar ist, aber nicht so viele, dass er optimal mit Energie versorgt ist.

 

DAS ESSVERHALTEN

 

In der Ernährungspsychologie hat sich das „Drei-Komponenten-Modell“ zur Erklärung des Essverhaltens durchgesetzt. Außensteuerung, Innensteuerung und kognitive Steuerung entscheiden demnach die Nahrungsaufnahme.

 

Die Innensteuerung bezeichnet die biologische Regulation, also Hunger, Durst und Sättigung. Hunger entsteht im Kopf, genauer im Hypothalamus und ist eigentlich der einzige Grund, warum wir essen sollten. Babys und Kleinkinder können dies überwiegend sehr gut, bis wir/die Gesellschaft es ihnen verlernt und die Außensteuerung stärker wird.

 

Die Außensteuerung bezeichnet kulturell-familiäre Faktoren. Hierunter fällt beispielsweise, dass es unserer Gesellschaft drei Hauptmahlzeiten gibt – das Frühstück, das Mittagessen und das Abendessen. Grundsätzlich ist dagegen übrigens nicht einzuwenden, weil geregelte, regelmäßige Essenszeiten für den Körper und die Psyche wohltuend sind. Der Körper ist ein Gewohnheitstier und zufrieden, wenn er sich auf regelmäßige Nahrungszufuhr verlassen kann. So braucht er keine Fettdepots für „schlechte“ Zeiten anlegen. (Lesen Sie auch: Warum essen wir was wir essen und wann?)

 

Alle Maßnahmen zur Steuerung des eigenen Essverhaltens werden als kognitive Steuerung bezeichnet. Diäten fallen beispielsweise darunter oder auch die Entscheidung, einen Apfel einem Schokoriegel vorzuziehen, weil man weiß, dass der Apfel gesünder ist.

 

Wichtig ist:

 

Man sollte seine eigenen Körpersignale nicht überhören und Kindern dieses wunderbare Gefühl für ihren Körper nicht verlernen, sondern stärken. Ein nährstoffreiches, warmes Frühstück sollte man in jedem Fall in den ersten 1-3 Stunden nach dem Aufstehen essen. So verhindert man übrigens auch Heißhungeranfälle am Nachmittag oder Abend ;). Kindern sollte man ein solches Frühstück anbieten und sie selber entscheiden lassen, wie viel sie davon essen (Mehr dazu in meinem Blog Artikel über stressfreie Kinderernährung).

 

Insgesamt sollte man drei bis fünf Mahlzeiten am Tag essen, um körperliches und psychisches Wohlbefinden zu gewährleisten, weil der Körper so gleichmäßig mit Energie und Nährstoffen versorgt wird.

 

ALSO:

Ein warmes Frühstück, ein Mittagessen und ein Abendessen, sowie dazwischen, wenn nötig ein oder zwei kleine Snacks. Wann die Mahlzeiten stattfinden ist egal – ob um 6 Uhr, 11 Uhr und 16 Uhr oder um 9 Uhr, 13 Uhr und 18 Uhr.

 

ZUM ABSCHLUSS:

ESSEN SIE, wenn es für SIE passt und so viel, wie SIE brauchen, um angenehm satt und zufrieden zu sein. Damit lösen sich viele Ernährungs-, Gewichts- und Figurprobleme auf!

 

Eine Umstellung der Ernährungs- und Essgewohnheiten kann sehr schwer sein. Es ist aber möglich und hilft in jedem Fall dabei, sich in seinem Körper wohler fühlen. Eine professionelle psychologische Ernährungsberatung kann unterstützen.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare!

 

Vielleicht interessiert Sie auch mein Blog Artikel: Setpoint Theorie oder der JOJO-Effekt.

 

Interessante Literatur:

Ernährungspsychologie (German Edition)“ von Iwer Diedrichsen

Besessen vom Essen. Orthorexie. Bulimie. Anorexie. Adipositas“ von Kinzl, Kiefer und Kunze

"Ernährungspsychologie: Eine Einführung" von Pudel und Westenhöfer