„Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst.“ (La Rouchefoucauld)

Täglich werden wir bombardiert damit, was gesund ist, welche Superfoods man in keinem Fall auslassen sollte und welche Diät wirklich dazu führt, dass wir dauerhaft schlank und schön, ergo auch zufrieden, schlagfertig, sympathisch und erfolgreich sind. Also essen wir eben diese „tollen“, „gesunden“ Lebensmittel und kochen die Diätrezepte nach. Sind Sie glücklich damit? Schmeckt Ihnen wirklich alles, was Sie essen sollen/müssen? Haben Sie Freude am Essen? Sitzen Sie immer wieder vor einem halb leeren Teller und sind frustriert und noch frustrierter, wenn die Waage nicht runter geht?

 

Kennen Sie auch diese Situationen, wenn zu Weihnachten jeder nur noch von seinen Jahresvorsätzen spricht, dass er/sie mehr Sport treiben und auf alle Fälle eine Diät machen wird nach den Feiertagen?

 

Ich kenne unzählige Frauen (und auch einige Männer), die nach dem Urlaub kaum von ihren Erlebnissen erzählen, sondern nur vom Essen und wie viel sie zugenommen haben. Also, zusätzlich zum Arbeitsalltag und oft Aufarbeiten von Liegengebliebenem kommt eine Diät dazu, die die Stimmung zusätzlich belastet.

 

Essen ist nicht mehr unbelastet und entspannt. Bei Vielen ist es überschattet von schlechtem Gewissen oder aber auch davon, dass sie Vieles nicht vertragen und Bauchschmerzen bekommen. Essen wird zunehmend etwas Angstbesetztes, Belastendes und Stressiges. Außerdem kratzt es am Selbstwertgefühl, weil man ständig zum Versager/zur Versagerin deklariert wird, wenn man dem Schokoriegel nachgegeben oder doch den leckeren Apfelkuchen gegessen hat, der dann Bauchschmerzen verursacht.

 

Doch genau das ist FALSCH (– nicht nur nach TCM ;)). All das führt zu Gewichtsproblemen, geringem Selbstwertgefühl, noch mehr Verdauungsproblemen, Unzufriedenheit und zu körperlichen Erkrankungen.

 

Essen ist etwas Wunderschönes, etwas Genussvolles und bereitet viel Freude, wenn man es entspannt angeht. Damit lösen sich übrigens meistens Gewichts- und oft auch Verdauungsprobleme in Luft auf.

 

In der TCM ist man davon überzeugt, dass die Verdauung besser funktioniert, wenn man entspannt ist und mit Genuss isst. In Studien hat sich gezeigt, dass in entspannter Atmosphäre der Magen besser arbeitet. Im Stress, also auch bei schlechtem Gewissen, zieht er sich zusammen, was zu Verdauungsproblemen wie Sodbrennen, Magenschmerzen, Völlegefühl, etc. führt. Außerdem kann der Körper schlechter verdauen, was zu Übergewicht führen kann.

 

ALSO:

Essen Sie, was Ihnen schmeckt. Bereiten Sie Nahrung so zu, dass sie Ihnen schmeckt. Kochen Sie in entspannter Atmosphäre, eventuell bei Musik und genießen Sie das Essen bei Kerzenschein an einem schön gedeckten Tisch.

 

Und was ist jetzt mit diesen „gesunden“ Nahrungsmitteln? Muss man die dann gar nicht essen? Kann man nur von Pizza und Pasta, Schokolade und Chips leben?

 

NEIN! Definitiv nicht.

 

Essen soll Freude machen geht schon davon aus, dass man frische Nahrungsmittel einkauft, selber kocht und genießt. Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass jeder Mensch auch „gesunde“ Nahrungsmittel mag. Keine Frage. Überlegen Sie einfach, ob es nicht ein Getreide gibt, dass Sie gerne essen. Gibt es Gemüsesorten, die Sie gerne essen? usw.

 

Falls Ihnen wirklich nichts einfällt, muss ich Ihnen hier ehrlich sagen, ein neues Essverhalten zu lernen, erfordert Offenheit für Neues, Geduld und Mut! Ich bin aber davon überzeugt, das Ihnen auch Dinge fernab von Fertigprodukten und Schokolade schmecken.

 

Wussten Sie, dass man Kindern ein Nahrungsmittel 10-15 Mal (!!!) anbieten und kosten lassen muss, bis sie es mögen? Geben Sie sich also Zeit! Probieren Sie etwas öfter als einmal und vor allem, verwenden Sie es in unterschiedlichen Zubereitungsarten. Verwenden Sie Getreide (Reis, Hirse, Polenta, Quinoa, Amaranth, Hafer, Dinkel, etc.) in süßen und pikanten Speisen, als Auflauf, in der Suppe. Machen Sie dasselbe mit Gemüse und suchen Sie für sich die Gemüsesorten, die Obstsorten, die Getreidesorten, die Nüsse, die hochwertigen Öle, etc., die Ihnen wirklich schmecken und GANZ WICHTIG, Ihnen gut tun. Probieren Sie neue Nahrungsmittel aus oder welche, die Ihnen nicht geschmeckt haben, immer wieder. Der Geschmack verändert sich auch mit dem Alter und Lebenszyklus. Deshalb sollte man auch Kindern wiederholt Nahrungsmittel anbieten.

 

Ein paar Beispiele:

  • Meine Mutter mag Tomaten im Winter überhaupt nicht, aber im Sommer, vor allem frisch aus dem Garten gerne. Nach TCM kann man das übrigens so erklären, dass Tomaten sehr kühlend wirken und im Winter ungeeignet sind, weil sie den Organismus zu sehr belasten/kühlen. Im Sommer sind sie hingegen ein natürliches Mittel, um den Körper zu kühlen.

 

  • Ein Mann in meiner Beratung mochte gar keinen Brokkoli. Nicht, dass er davon Blähungen bekam, sondern er fand sogar kleinste (für jeden anderen unsichtbare) Röschen und würgt sie wieder aus. Seine Frau hat Brokkoli aber irrsinnig gern und eines Tages gab es Brokkolicreme-Suppe. Er hat sie gegessen, gerne sogar. Das hat ihm gezeigt, dass er unterschiedlichen Zubereitungsarten eine Chance geben sollte. Er probiert seither übrigens viel aus und isst auch gerne Gemüse.

 

  • Als weiteres Beispiel möchte ich meine Kinder anführen: Sie lieben Polentapizza oder auch Polentaecken (Polenta gekocht und am Schluss Parmesan untergemischt, auf ein Backblech gestrichten und fest werden lassen, eventuell kurz im Rohr wärmen). Sie essen aber keine süße Polenta und da habe ich wirklich alles versucht – mit Reismilch, mit Milch, mit Hafermilch, mit Apfelmus. Ich hatte keine Chance. Bisher – vielleicht irgendwann ;).

 

  • Und noch ein Beispiel zu mir selber: Ich war als Kind sehr heikel. Meine Mutter ist beinahe verzweifelt an meinen Essgewohnheiten – Kartoffeln mit Camembert, Nudeln ohne irgendwas, usw. Mittlerweile mag ich beinahe alles (außer Meeresfrüchte ;)). Ich habe einfach irgendwann offen versucht zu kosten. Mit offen meine ich nicht mit diesem verzogenen Gesicht und Gedanken: „Das ist sicher grausig“ sondern mit: „Ich bin gespannt, wie das wirklich schmeckt.“ Da habe ich gemerkt, dass sich mein Geschmack verändert hat.

 

  • Ich mochte übrigens auch nie Kernöl – als ich in die Steiermark kam, waren alle sehr schockiert ;). Irgendwann habe ich dann aus Versehen ein paar kleine Tropfen auf meinen Salat gegeben und gemerkt, dass es mich nicht gereckt hat. Täglich habe ich in paar Tropfen verwendet und mittlerweile verwende ich es normal und mag es gerne.

 

Lassen Sie sich also Zeit und wenn Ihnen etwas wirklich nicht schmeckt, lassen Sie es. Vielleicht verträgt Ihr Körper es derzeit nicht. Kosten Sie es später wieder. So schwer es ist, wenn Nahrungsmittel im Mistkübel landen, aber Sie können mit dieser Mahlzeit niemanden retten. Sie können aber etwas für sich und Ihre Gesundheit tun.

 

Aja und noch etwas – wenn Ihnen etwas wirklich nicht schmeckt, Sie sich davor ekeln, müssen Sie sich nicht quälen. In der TCM haben alle Nahrungsmittel ihre thermische Wirkung, ihren Organbezug und ihre Wirkung im Körper. Es gibt meistens mehrere Nahrungsmittel, mit denen man dieselbe Wirkung erzielen kann. Es ist auch westliche nicht so, dass nur ein Nahrungsmittel diese Vitamine und Stoffe hat, die man braucht. Es gibt immer mehrere. Wenn Sie keinen Brokkoli mögen, dann lassen Sie ihn. Anderes grünes Gemüse hat auch viel Calzium und andere Vitamine (westlich gesehen). Wenn Sie keine Karotten mögen, dann vielleicht Kürbis, der ebenfalls das Qi und Blut aufbaut (TCM gesehen). Es gibt IMMER Alternativen.

 

Wichtig ist:

Genießen Sie das Essen! Und selbst, wenn Sie Steak und Pommes, McDonalds und Pizza lieben – genießen Sie auch diese Speisen von Zeit zu Zeit richtig! Ohne schlechtes Gewissen! „Eine gut gepflegte Milz verzeiht kleine Fehler.“ Vielleicht wollen Sie auch einmal Achtsamkeitsübungen ausprobieren - klicken Sie hier.

 

ZUM ABSCHLUSS:

Entscheidend, um das Leben zu genießen, sich wohl zu fühlen und energiegeladen zu sein ist nährstoffreiches Essen, das uns wirklich schmeckt und gut tut. Nur so ist unser Körper optimal versorgt und kann gut funktionieren.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht möchten Sie für Ihren Süßhunger die leckeren Kekse oder auch Polentakeksli ausprobieren.

Vielleicht interessiert Sie auch, warum "Genießen" so wichtig ist.

 

Interessante Literatur:

"Die Heilung der Mitte: Die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin" von Georg Weidinger

"Lexikon der populären Ernährungsirrtümer: Mißverständnisse, Fehlinterpretationen und Halbwahrheiten von Alkohol bis Zucker
Aktualisierte Neuausgabe
"
von Udo Pollmer und Susanne Warmuth