„Eine Party ohne Kuchen ist nur ein Meeting.“ (Julia Child)

 

In meinem Artikel über „Ernährung und Essverhalten“ habe ich ein Modell vorgestellt, das beantwortet, warum wir essen. In diesen Artikel möchte ich noch genauer auf die Gründe eingehen.

 

Wussten Sie, dass wir täglich 200 Entscheidungen rund ums Thema „Essen“ treffen? Essen ist in unserer Gesellschaft ein großes Thema, es ist immer und überall verfügbar. Wir können immer essen: Am Weg ins Büro, am Weg nach Hause, in der Kaffeepause steht sicherlich eine Schachtel Pralinen im Kaffeeraum, wenn man Besuch bekommt, bietet man dem Gast/den Gästen etwas an, wenn man selber auf Besuch ist, wird einem ein Kuchen serviert, etc.

 

Zusätzlich zu diesem Überangebot werden wir bombardiert mit Gesundheitskampagnen rund ums Thema Ernährung und superschlanke Schönheiten lächeln von Magazinen, in denen die neuesten Diät-Tipps zu lesen sind, damit wir auch so aussehen.

 

Alleine aus diesen zwei Beispielen ergeben sich vielerlei Gründe, warum wir essen und warum wir essen, was wir essen – Seien sie gespannt:

 

1.Geschmack

Wir essen etwas, weil es salzig, bitter, süß etc. schmeckt. Des Weiteren essen wir mehr, wenn uns etwas gut schmeckt und weniger, wenn uns etwas nicht gut schmeckt. Sogar bei Kindern kann man dieses Phänomen beobachten. Der Unterschied zwischen Erwachsenen (gezügelten EsserInnen) und Kindern (sowie ungezügelten EsserInnen) ist, dass zweitere bei der nächsten Mahlzeit oder am nächsten Tag weniger essen und dem Körper die Kontrolle über die Menge überlassen. Erstere überessen sich häufig oder zügeln sich nach einem „Essgelage“ aufgrund von gutem Geschmack sehr streng.

 

2.Kultur und Tradition:

Die Kultur, in der wir leben, bestimmt, was wir essen und auch wann wir essen. So essen ÖsterreichInnen oft Knödel oder Schnitzel, Schweinebraten oder Apfelstrudel. In südlichen Ländern wird traditionellerweise mehr Fisch und Gemüse gegessen. Außerdem isst man die Hauptmahlzeit später am Abend während in Österreich die Hauptmahlzeit zu Mittag gegessen wird. In China ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages und besteht meistens aus einer Suppe.

Auch Traditionen bestimmen was wir wann essen. So gibt es zu Weihnachten Weihnachtskekse, zu Ostern Ostereier (& Osterlämmer) und im Fasching Krapfen.

 

3.Preis und soziale Gründe:

Oft entscheidet der Preis eines Nahrungsmittels, ob es von vielen oder wenigen Personen gekauft wird. Viele Menschen können sich Produkte aus dem BIO-Laden einfach nicht leisten. Oder aber umgekehrt: Es gibt Menschen, die nur „Premium“ Produkte oder Produkte aus dem BIO-Laden kaufen, um ihren sozialen Status zu zeigen oder einfach zu leben.

 

4.Emotionale Wirkung

Nahrungsmittel haben eine emotionale Wirkung, die uns übrigens meistens in der Kindheit gelernt wird. So wird Schokolade gerne bei Stress oder als Belohnung eingesetzt oder auch ein großer Eisbecher bei Liebeskummer, wie uns viele Fernsehserien zeigen.

 

5.Verfügbarkeit

Oft essen wir dieses oder jenes Nahrungsmittel, weil es verfügbar ist (es vielleicht sogar keine Alternativen gibt): Im Kaffeeraum die Pralinen, ein Stück Kuchen beim Kaffeetratsch, ein Eis oder Pommes im Freibad, weil man am Buffet nichts anderes bekommt.

 

6.Gesundheit

Ein immer stärker werdender Trend ist, Nahrungsmittel zu essen, weil sie „gesund“ sind. Sie müssen uns dafür nicht zwangsläufig schmecken. Ein Bekannter hat einmal gelesen, dass ein Glas Rote-Rüben-Saft am Tag seinen Eisenspiegel verbessern würde. Er hat also täglich mit angehaltener Luft ein Glas hinunter gewürgt. Mit diesem extremen (wahren!) Beispiel will ich verdeutlichen, wie sinnlos dies ist. Es hätte auch Alternativen gegeben. Außerdem ist fraglich inwiefern es seiner Gesundheit hilft, wenn er sich quält, auf psychischer Ebene – und Sie wissen: Körper und Psyche sind eine Einheit! (Vielleicht interessiert Sie auch mein Artikel über Psychosomatik)

 

7.Fitness

Eiweißshakes werden getrunken um noch mehr Muskeln aufzubauen, Kraftriegel werden bei Ausdauersport für schnelle Energiegewinnung und durchgehende Leistungsfähigkeit konsumiert, etc.

 

8.Schönheit

„Brokkoli hilft gegen Falten.“ „Hirse macht schöne Haut.“ – Versprechungen wie diese gibt es unzählige und viele Menschen wählen ihre Nahrungsmittel nach diesem Prinzip aus.

 

9.Verträglichkeit

Traurige Wahrheit heutzutage – Unverträglichkeiten werden immer mehr! Vielleicht war es schon immer so und Menschen haben früher eher auf ihre Bedürfnisse gehört und intuitiv gewisse Nahrungsmittel nicht gegessen und somit ohne Probleme gelebt oder es einfach nicht gewusst. Oder die Unverträglichkeiten kommen wirklich von unserem stressigen Lebensstil mit vielen Fertigprodukten und Zusatzstoffen. Die Frage will ich hier nicht beantworten. Wichtig ist, dass nicht jeder Mensch jedes Nahrungsmittel gleich gut verträgt und bewusst Nahrungsmittel ohne Fructose, Lactose, Histamin, Gluten, Weizen oder sonst etwas wählt.

 

10.Werbung

Nicht zu vergessen ist die Werbung. Werbung wirkt, auch wenn wir alle glauben, immun dagegen zu sein. Natürlich kaufen wir den neuesten Schokoriegel nicht beim ersten Mal, wenn er uns von einer Plakatwand anlacht und/oder aus dem Fernseher flackert. Aber irgendwann wählen wir genau diesen…

 

11.Angst

Auch Angst kann bei der Nahrungsmittelwahl eine Rolle spielen. Angst vor Autoritätspersonen („Iss auf, sonst bin ich böse.“), Angst vor schlechtem Wetter, Angst unhöflich zu sein, Angst…

 

12.Pseudowissenschaftliche Gründe

„Eine Studie sagt, dass diese Wunderpille/dieser Shake (was immer) Sie schlanker/gesünder/leistungsfähiger (was immer) macht.“ Diese Informationen werden oft nicht hinterfragt, sondern die jeweiligen Wundermittel einfach verspeist.

 

So weit, so gut! Sie sehen, dass die meisten Gründe, warum wir essen, was wir essen und warum wir überhaupt essen, nichts mit unserem eigenen Körper und seinen Bedürfnissen zu tun haben. Bereits Babys werden langsam dazu „erzogen“, die Signale ihres Körpers zu überhören. Wenn ein Baby nicht der Gewichtskurve entspricht, wird es mit Flaschennahrung aufgepäppelt. Wenn das Baby weint, ist der erste (vermutlich gut gemeinte) Ratschlag der Umgebung: „Hat er/sie vielleicht Hunger? So füttern Sie ihn doch.“ (Ein guter Rat von mir: Eltern hassen diesen Rat.) Verunsicherte Eltern tun es. Bei der Beikost gibt es vorgegebene empfohlene Mengen, die ein Baby essen sollte und als Kleinkind wartet sowieso an jeder Ecke ein Zuckerl, ein Kuchen, Snacks, Schokolade oder Sonstiges. (Lesen Sie auch: Setpoint-Theorie oder der JOJO-Effekt)

 

Wichtig ist:

ESSEN SIE NUR, WENN SIE WIRKLICH HUNGER HABEN UND BEENDEN SIE EINE MAHLZEIT, WENN SIE ANGENEHM SATT SIND!

VERTRAUEN SIE IHREN BABYS UND KINDERN – SIE WISSEN, WAS SIE BRAUCHEN! Sie als Eltern bieten Ihnen etwas an, aber das Kind entscheidet, was es davon und wie viel es davon isst!

 

Es bringt niemandem etwas, aus Höflichkeit zu essen. Schon gar nicht Ihnen selber. Sie sind sicher viel zufriedener, wenn Sie selber die Kontrolle über Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse übernehmen und nicht die Situation entscheiden lassen oder für jemand anderen essen. Dann brauchen Sie keine Diäten mehr, weil Ihr Körper wieder tut, wie es ihm gut tut!

 

ZUM ABSCHLUSS:

Es ist wichtig, dass es IHNEN gut geht, Sie sich wohl fühlen, gelassen, energiegeladen und glücklich sind. Wenn Sie sich um Körper und Psyche kümmern – indem Sie nährstoffreich essen, sich ausreichend bewegen und Gefühle entsprechend ausleben – lösen sich viele Probleme in Luft auf.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht interessiert Sie auch mein Artikel zum Thema Achtsamkeit - Das große Modewort....?

 

Interessante Literatur:

Ernährungspsychologie“ von Pudel und Westenhöfen