„Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.“ (Chinesisches Sprichwort)

 

Aufmerksame LeserInnen meines Blogs werden gemerkt haben, dass zwischen Feuer und Metall, also Sommer und Herbst, etwas Wichtiges fehlt,  die Mutter aller Dinge: DIE ERDE – UNSERE MITTE! Eine starke Mitte ist das Wichtigste, weshalb es nicht nur wichtig ist in den Zwischenjahreszeiten die Mitte im Augen zu haben, sondern IMMER.

 

Spätherbst und Zwischenjahreszeiten in der TCM – DOJO-Zeiten

(27.01 – 12.02; 27.04 – 16.05; 28.07 – 15.08; 28.10 – 15.11)

 

Die TCM kennt fünf Jahreszeiten, weil immer zwischen den Jahreszeiten eine Übergangsphase herrscht, die nicht genau zuzuordnen ist. Die TCM hat den Spätherbst und die Zwischenjahreszeiten dem Erd-Element zugeordnet (Mehr Informationen zu den 5 Wandlungsphasen finden Sie hier.). Das Erd-Element steht für die Zeit der Ernte. Im Lebenszyklus des Menschen ist es das Erwachsen geworden sein nach der Jugend (Feuer). Man hat viele Erkenntnisse aus den Jahren zuvor gewonnen. In dieser Zeit wird man oft Mama oder Papa. Es ist eine Zeit des In-sich-Gehens nach der heißen Sommerphase. Die Tageszeit ist der Nachmittag.

 

Dem Erd-Element werden die Organe bzw. das Organsystem Milz-Magen-Pankreas zugeschrieben. Es bezeichnet unsere Mitte, die alles nährt. Die Nahrung kommt von der Erde und geht vom Mund in den Magen. Der Magen versorgt alles mit Energie und die Milz produziert Lebensenergie Qi (mehr über die Lebensenergie lesen Sie hier.). Die geistigen Fähigkeiten sind Konzentration, logisches Denken, Nachdenken über Inhalte und sich Sorgen machen. Zu viel nachdenken/grübeln oder sich immer Sorgen machen behindern die Verdauung, weil sich der Magen zusammenzieht: „Ärger schlägt auf den Magen.“

 

In unserer Gesellschaft wird das Erdelement stark beansprucht und damit geschwächt. Stärken kann man es nämlich mit regelmäßigen Mahlzeiten und regelmäßigen Schlafenszeiten, Ritualen und Unternehmungen in Gesellschaft. Gut und stärkend wirkt sich auch ein gemütliches, dekoriertes Heim aus, damit Erwachsene wie auch Kinder einen stabilen Raum, sowie eine gute Basis für das Leben haben.

 

KINDER: Bei Kindern ist, nach der Vorstellung der TCM, die Mitte bis zum siebten Lebensjahr schwach ausgebildet. Rituale, Regelmäßigkeit und gesunde Ernährung im Sinne von gekochtem, leicht bekömmlichem Essen stärken die Persönlichkeit und den Körper nachhaltig für das ganze Leben.

 

Zu Problemen mit dem Magen kommt es übrigens häufig im Sommer, wenn es sehr heiß ist. Das liegt daran, dass sobald es heiß wird, die meisten Menschen hauptsächlich zu Salaten, Smoothies, Milchprodukten und rohem Obst greifen. Viele trinken zusätzlich eisgekühlte Getränke und schlecken täglich oder mehrmals wöchentlich ein Eis. Außerdem schläft man bei extremer Hitze weniger tief und kann sich im Schlaf nicht so gut erholen und Energie tanken wie bei niedrigen Temperaturen.

 

All diese Dinge schwächen die Mitte und führen zu Magenproblemen. Der Magen muss alle kalten, rohen Speisen erst auf Körpertemperatur erwärmen um sie zu verdauen. Das kostet ihn Unmengen an Energie, die er eigentlich braucht, um sich zu kühlen. Nach einigen Wochen leeren sich die Energiespeicher zusehends und der Mageninhalt kann nicht mehr erwärmt werden. Was passiert dann mit dem ganzen Essen? Das kalte, rohe Essen kommt unverdaut in unser Verdauungssystem. Die Folge sind Übelkeit, Schmerzen oder Durchfall. Langfristig wird das Erdelement geschwächt, was wir im Herbst und Winter durch erhöhte Infektanfälligkeit merken.

 

SIE LESEN RICHTIG – eigentlich beginnt das Stärken des Immunsystems immer damit, dass man die Mitte aufbaut und schon im Frühling und Sommer auf eine starke Mitte, also genug Wärme achten muss. Insofern: Essen Sie auch im Sommer gekochte, aber kühlende Nahrungsmittel und mischen diese beispielsweise so: gekochte Bohnen im Salat oder Hirselaibchen in Zimmertemperatur. Eis sollte nur einmal die Woche auf den Tisch kommen und dann nur, wenn Sie a) absolut gesund sind und b) man kurzärmlig und ohne Socken gehen kann. Frisches Obst genießen Sie am besten in der Sonne liegend. Als Getränk empfiehlt sich lauwarmes oder zimmerwarmes Wasser. Zum Kühlen eignen sich auch Pfefferminztee oder Wasser mit einem Spritzer Zitrone oder Wasser mit Melisseblättern.

 

Auf körperlicher Ebene zeigen sich Probleme des Magens also vor allem in der Verdauung. Symptome einer geschwächten Mitte können sein:

  • Appetitmangel
  • Verdauungsbeschwerden in Form von breiigem weichen Stuhl bis zu Durchfall
  • Verstopfung
  • Blähungen mit Völle- und Druckgefühl im Bauch v.a. nach dem Essen
  • Sodbrennen
  • Ständiger Hunger - Heißhunger
  • Gewichtsprobleme
  • Schwäche, Müdigkeit und blass gelbe, fahle Gesichtsfarbe
  • Allgemeines Kältegefühl bzw. eine Aversion gegen Kälte
  • Unverdaute Speisereste im Stuhl
  • Nasenbluten
  • Zahnfleischbluten
  • Neigung zu blauen Flecken

 

Der Erde zugeordnet ist der Geschmack süß und meint damit alle natursüßen Nahrungsmittel. Süß wirkt entspannend und harmonisierend. Aus diesem Grund greifen wir bei Stress gerne zu einem Stück Schokolade. Natursüße Lebensmittel geben uns Energie und wirken befeuchtend. Die befeuchtende Wirkung wird durch Fett und weißen Zucker verstärkt, weshalb zum Beispiel Schokolade oder Schnitzel sehr viel Feuchtigkeit erzeugen. Auf die Dauer führt dies zu gesundheitlichen Problemen wie Hautausschlägen, Akne, Übergewicht, Müdigkeit, etc. Damit die befeuchtende Wirkung nicht so stark ist, können Sie fette und süße Speisen mit bitterem Geschmack (dieser trocknet die Feuchtigkeit) kombinieren. Beispiel dafür: Bitterer Salat zu Schnitzel oder grüner Tee zu Kuchen.

 

Der natursüße Geschmack verteilt Energie in alle Körperregionen und sollte deshalb den Hauptanteil unserer Nahrung ausmachen. Die anderen vier Geschmacksrichtungen (bitter, salzig, scharf und sauer) werden nur in kleinen Mengen verwendet um die Bekömmlichkeit zu steigern und der Verdauung zu helfen. Außerdem helfen die anderen vier Geschmacksrichtungen Ungleichgewichte im Körper auszugleichen.

 

Wenn Sie starken Heißhunger auf Süßigkeiten haben ist das ein Zeichen dafür, dass der Körper nicht optimal versorgt ist. Es ist wichtig, regelmäßig ausgewogene und nährstoffreiche Gerichte zu essen (Gemüse, Hülsenfrüchte, gute Öle, Getreide, wenig Fleisch). Vor allem das gekochte Frühstück hilft gegen Heißhunger am Abend.

 

Süß stärkt also die Milz und den Magen, aber zu viel davon oder aber zusammen mit Fett und Zucker schwächt es die Milz und den Magen.

 

Zum Erd-Element zählen:

  • Heiß: Zimt
  • Wärmend: Fenchel, Kürbis, Kokosnuss, Kürbiskernöl, etc.
  • Neutral: Polenta, Kartoffeln, Kohlrabi, Karotten, Maroni, Butter, Eier, Schlagobers, Honig, etc.
  • Kühlend: Gerste, Hirse, Brokkoli, Karfiol, Spinat, Marillen, etc.
  • Kalt: Gurke, Mango, Melone, etc.

 

ERNÄHRUNG ZUM STÄRKEN DER MITTE

 

Eine starke Mitte ist der Grundpfeiler für Gesundheit und Wohlbefinden in der TCM – körperliches und psychisches! Deshalb hier einige Tipps:

  1. Das Essen sollte Ihnen Freude bereiten und Sie sollten es in Ruhe und mit Achtsamkeit GENIESSEN. Ideal ist mindestens eine gemeinsame Familienmahlzeit am Tag.
  2. Essen Sie ein gekochtes, warmes Frühstück! (Mehr über die Wichtigkeit des warmen Frühstücks finden Sie hier.)
  3. Essen Sie REGELMÄSSIG! Ideal sind drei Mahlzeiten pro Tag, mindestens zwei davon gekocht, besser drei. Zwischenmahlzeiten sind erlaubt. Wichtig ist nur, dass Sie nach einer Mahlzeit gute drei Stunden Pause machen, damit der Magen Zeit zum Verdauen hat.  
  4. Essen Sie nur so viel, wie Sie Hunger haben! Wenn Sie sich überessen, überfordert das Ihre Milz und Ihren Magen, die Reste bleiben unverdaut liegen, es entsteht Feuchtigkeit und diese erstickt die Lebensenergie Qi (mehr dazu hier).
  5. Ihre letzte Mahlzeit sollte in etwa 3 Stunden vor dem Schlafengehen sein.
  6. Essen Sie FRISCHE, SELBST GEKOCHTE NAHRUNG und verwenden Sie Zutaten guter Qualität, eventuell mit saisonalem Obst und Gemüse!
  7. Streichen Sie Fertiggerichte, Tiefkühlkost und Mikrowellengerichte aus ihrem Speiseplan! Ein guter Weg ist, dass Sie alle Fertiggerichte aufbrauchen oder wegwerfen, je nachdem. Auch die Tiefkühltruhe essen Sie am besten leer und füllen Sie nicht wieder an bzw. nur mit Selbstgemachtem und Erbsen für Notfälle.
  8. Trinken Sie lauwarmes Leitungswasser und ab und zu Tee!
  9. Reduzieren Sie Ihren Kaffeekonsum auf 1-2 Tassen pro Tag!
  10. Verwenden Sie hochwertige Gewürze und Kräuter zum Würzen Ihrer Speisen, reduzieren Sie Salz!
  11. Essen Sie gute, hochwertige Fette und Öle!
  12. Essen Sie Fleisch nicht öfter als zwei- bis dreimal pro Woche!
  13. GENIESSEN SIE Ihr Essen UND Ihr Leben!
  14. Seien Sie DANKBAR!
  15. Gehen Sie mit ACHTSAMKEIT durchs Leben!
  16. Entspannen Sie und machen Sie Pausen während des Tages!
  17. Lachen Sie!
  18. Bewegen Sie sich!

 

REZEPTIDEEN für eine starke Mitte:

 

ZUM ABSCHLUSS:

In den Zwischenjahreszeiten geht es vor allem darum, die Verdauung zu stärken, damit der restliche Körper gestärkt wird. Die Verdauung, unsere Mitte, der Magen, die Milz sind die Mutter aller Dinge! „Eine gut gepflegte Milz verzeiht kleine Fehler!“ Eine starke Mitte ist entspannt, energiegeladen und voller Lebensfreude. Dazu gehörten die Ernährung, genauso wie Bewegung und Psychohygiene. Körper und Seele sind eine Einheit.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht interessieren Sie auch meine Artikel über Frühling und Sommer, Herbst, Winter oder Yin und Yang.

 

Interessante Literatur:

„Ernährung nach 5 Elementen“ von Barbara Temelie

„Die Fünf Wandlungsphasen Studienausgabe“ von Klaut-Dieter Platsch

"Die Heilung der Mitte" von Georg Weidinger

"Ernährung nach 5 Elementen" von Eva Laspas