„Wenn Licht in der Seele ist, ist Schönheit im Menschen.“ (Chinesische Weisheit)

 

Qi bedeutet in der TCM alles – Energie, Luft, Atem, Wind, Lebenskraft und Lebensenergie. Qi ist ein abstraktes Wort für etwas Unfassbares. Qi ist ständig in Bewegung, also fließend, bringt Veränderungen hervor. Jede Verlangsamung oder Stagnation des Fließens führt zu einer Störung der Lebensvorgänge. Wenn man beispielsweise Schmerzen hat die durch Bewegung oder Massage der betroffenen Stelle verschwinden, liegt das an einem Qi-Stau an der jeweiligen Stelle. Der Schmerz verschwindet, wenn das Qi wieder fließt.

 

Die Chinesen haben keine direkte Definition von Qi, weil es sich um eine ständig fließende und wandelnde Größe handelt. Beim Menschen ist das Qi in den Organen und fließt durch alle Bahnen im Körper.

 

Im traditionell chinesischen medizinischen Verständnis gibt es zwei wesentliche Quellen an Qi in uns Menschen:

  • Vorgeburtliches Qi (Ursprungs-Qi), welches wir bei der Zeugung von unseren Eltern mitbekommen. Dieses Qi ist die Reserve. Eine Theorie besagt, dass jedem Menschen Qi für etwa 100-120 Lebensjahre mitgegeben wurde. Wie alt man tatsächlich wird, ist abhängig davon, wie gleichmäßig das Qi fließen kann. Ernährung, Bewegung und innere Harmonie tragen viel zu einem langen, gesunden Leben bei.
  • Nachgeburtliches Qi welches wir täglich gewinnen können. Es ist das Qi, das wir tagtäglich benötigen und sich durch die aufgenommene Nahrung, die Atmung, den Schlaf und das Sonnenlicht erneuert. Außerdem können Tai Chi, Qi Gong, Yoga und Meditation Qi erzeugen.

 

Anhand eines Beispiels möchte ich dies nun veranschaulichen: Ihr Tag war stressig. Sie haben abgestandene Büroluft eingeatmet, haben vor lauter Stress flach geatmet (Anmerkung: bei Stress atmen wir flacher), zum Essen gab es aufgewärmte Fertigprodukte (Anmerkung: Fertigprodukte enthalten kein/kaum Qi) und eine Pizza am Heimweg, einige Kaffees haben sie munter durch den Tag gebracht und weil sie nicht abschalten können schlafen sie spät ein und ihr Schlaf ist unruhig. Sie haben das nachgeburtliche Qi nicht genährt, also ist die Energie verbraucht worden, ohne aufgefüllt zu werden. Das ist kein Problem, weil sich der Körper dann einfach aus seinem Speicher, dem vorgeburtlichen Qi, bedient. Das passiert automatisch, ohne dass Sie es merken. Im Laufe der Zeit verringert sich das vorgeburtliche Qi allerdings und wenn es aufgebraucht ist, ist das Leben zu Ende. Wenn Sie Glück haben, sagt Ihnen ihr Körper bevor es soweit ist, dass seine Reserven zu stark angegriffen werden bzw. ein Mangel an Qi vorherrscht. Anzeichen sind Müdigkeit, Erschöpfung, Mutlosigkeit, Ödeme, Infektanfälligkeit (ständiger Schnupfen), Kälteempfinden, Verlust des Interesses, Taubheitsgefühle in Gliedmaßen, usw.

 

Es ist demnach wichtig, dass man das Qi immer wieder auffüllt, was am besten über die Ernährung geht. Mit den richtigen Nahrungsmitteln kann man das Qi auffüllen und in Fluss halten. Außerdem kann man mit der richtigen Ernährungsweise Qi sparen. An dieser Stelle möchte ich das Modell mit dem Gascampingkocher von Eva Laspas mit Ihnen teilen:

 

Sie fahren zum Campen und haben einen kleinen Gascampingkocher mit einer bestimmten Menge an Gas mit (Campingkocher ist unser Körper). Sie möchten sich einen Tee kochen und dafür möglichst wenig Energie verbrauchen, weil Sie noch die ganze Woche Tee und andere Nahrung zubereiten wollen. Was würden Sie als Teewasser in den Topf füllen? Eiswürfel oder warmes Wasser?

 

Sie sehen – genau das besagt das „Kochtopfmodell“ der TCM (siehe Grafik). Jede Nahrung muss im Körper zu einer kochenden Suppe gemacht werden, die gut dampft. Der aufsteigende Dampf ist das Qi. Wenn die Suppe zu wenig dampft, haben wir zu wenig Qi. Der Kochtopf wird von unten, vom Nieren Yang, zu wenig gewärmt oder das Essen ist einfach zu kalt und es braucht zu viel Energie um eine kochende Suppe daraus zu machen, weswegen kein Dampf mehr übrig bleibt. Wenn (und jetzt wird’s richtig chinesisch) die Suppe nicht mehr dampfen kann, also unsere Milz (Verdauung/Magen) zu „müde“ ist, dann lässt sie das kalte Essen einfach stehen und es entsteht Feuchtigkeit und Schleim, was zu einem Milz-Qi-Mangel führt. Das Qi, welches für das Immunsystem und viele andere Funktionen wichtig ist, auch dass wir energiegeladen durch den Tag gehen, wird buchstäblich erstickt durch zu viel Feuchtigkeit.

 

Warme Nahrung kann unser Körper also besser verwerten als kalte und rohe, weil er diese erst aufwärmen oder kochen muss, um sie zu verwerten (Qi daraus gewinnen kann). Wir können demnach mit warmer Nahrung Energie (Qi) sparen und gewinnen. Ideal!

 

Mit warm ist übrigens nicht gemeint, dass jedes Essen warm gegessen werden muss. Es geht hier nur um die thermische Wirkung von Nahrungsmitteln. Einige kühlen unseren Körper, andere wirken neutral oder wärmend. Im Sommer sind kühlende Nahrungsmittel sehr wichtig, weil sie helfen, den Körper zu kühlen, beispielsweise Melonen oder Bananen. Im Sommer ist mehr Yang da. Im Winter belasten gerade die kühlenden Lebensmittel unseren Körper, weil das Yang allein zum Wärmen des Körpers notwendig ist. Der Körper braucht demnach wärmende Nahrung.

 

Exkurs: Gut ist es natürlich, vor allem, wenn man bereits Feuchtigkeitssymptome an sich erkennt, zusätzlich zum warmen Essen, die stark befeuchtenden und verschleimenden Lebensmittel weg zu lassen oder auf ein Minimum zu reduziert. Diese sind: Kuhmilch/-produkte, Orangensaft, Zucker, Weizenmehl, Schweinefleisch, frittierte Speisen.

Anzeichen von zu viel Feuchtigkeit wären: Abszesse, Akne, Neurodermitis, Ekzeme, ständiger Schnupfen und Erkältungen, verschleimter Husten, Mittelohrentzündungen, Herpes, starker Ausfluss bei Frauen, hohe Cholesterinwerte, Ödeme, Blähbauch, Neigung zu Durchfall und breiigem Stuhl, Erschöpfung, schnell fettende Haare, übermäßiges Schwitzen, fehlendes Durstgefühl, etc.

 

Wenn wir im Einklang mit den Jahreszeiten und der Natur leben, gelingt es uns eigentlich selbstverständlich unserem Körper zu geben, was er braucht. Wenn wir essen, was die Natur in unserem Klima zur jeweiligen Jahreszeit zur Verfügung stellt, tut uns das gut. Im Sommer gibt es frisches Gemüse wie Tomaten und Gurken (kühlen), während es im Winter nur „Lagerungsgemüse“ und „Lagerungsobst“ gibt, welches Wärme zuführt oder nur sanft kühlt (wie z.B. der Apfel). Nähere Informationen zur "Ernährung nach TCM" finden Sie im Blog Artikel.

 

Exkurs: Vergessen Sie nicht, auch Ihre Kinder dementsprechend zu ernähren. Es ist besser sie essen täglich einen Apfel als Bananen (verschleimend) oder Melonen von weit her. Diese Südfrüchte kühlen ihre schwache, empfindliche Verdauung viel zu stark ab, was man an immer wiederkehrenden Mittelohrentzündungen oder generell ständigen verschleimten Infekten merkt. Verzichten Sie im Winter bzw. vor allem, wenn Ihr Kind oft erkältet ist, auf Südfrüchte und reduzieren Sie Milch/Milchprodukte (Joghurt, etc.) stark. Im Sommer ist die passende Zeit dafür :).

 

Wichtig ist:

Füllen Sie Ihr Qi regelmäßig mit Hilfe von beispielsweise Reis, Hirse, Polenta, Kartoffeln, Linsen, Butter, Schlagobers, Kürbis (Kürbissauce...Kürbissuppe), Rind (vor allem in Gemüsesuppe und GemüseKRAFTsuppe - Die perfekte Basis besser verdaulich/verträglich), Hirsch, Weintrauben, etc. auf. Genießen Sie außerdem regelmäßige Mahlzeiten und reduzieren Sie Rohkost.

Damit es zu keiner Stagnation, also zu keinem Stau von Qi kommt, gibt es Nahrungsmittel, die das Qi in Bewegung bringen. Beispiele dafür sind Kohlrabi (vor allem roh), Karfiol, Knoblauch, Lauch, Fenchel, Zwiebel, Rettich, Salat, Essig, etc.

Es muss übrigens von nichts viel sein – REGELMÄSSIG – KLEINE MENGEN – sind nach TCM ideal. Regelmäßig eine Handvoll Kohlrabiwürfel über das Essen gestreut oder ein Esslöffel Linsen im Reis mitgekocht, ein Schuss Schlagobers im Porridge oder ein Butterbrot mit Kresse und Ei…

 

ZUM ABSCHLUSS:

Vor allem nach TCM gilt: Körper und Seele sind eine Einheit und es gilt seinen Körper mit passenden Nahrungsmitteln zu versorgen, ihn ausreichend zu bewegen und etwas für seine Psyche zu tun.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht interessieren Sie auch meine anderen Artikel zu TCM: Weitere Grundbegriffe (Yin und Yang, Jing, Shen), 5 Elemente, Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

 

Und falls Sie sich noch nicht darüber im Klaren sind, warum die TCM so sinnvoll ist, dann lesen Sie hier nach: http://www.gesundheitspsychologin.net/joomla/index.php/blog/psychologie/140-warum-tcm-psychologie