„Ohne Winter wäre der Frühling nur halb so schön.“ (Walter Ludin)

 

Kalt ist es geworden. Morgens gehen wir im Dunkeln außer Haus und abends kommen wir im Dunkeln nach Hause. Trübe November weichen im Dezember hell beleuchteten Straßen und der Vorfreude aufs Christkind. Eine Zeit, in der wir oft sehr viel Stress haben, bis alles für den Heiligen Abend hergerichtet ist. Doch gerade Stress sollte im Winter nicht sein. Der Winter sollte in Ruhe zum Auftanken verwendet werden.

 

Winter in der TCM (16.11 – 27.01)

 

Die TCM hat den Winter dem Wasser-Element zugeordnet (Mehr Informationen zu den 5 Wandlungsphasen finden Sie hier.). Das Wasser-Element steht für den Stillstand, wo wir und auch die Natur Energie sammeln und uns vorbereiten auf den neuen Frühling, das Blühen oder auch einfach den neuen Tag. Im Lebenszyklus eines Menschen ist es die Zeit des hohen Alters, der Weisheit. Man nimmt Abschied von der Welt. Die Tageszeit ist die Nacht, wo die Sonne „im Norden nie zu sehen ist“, wie ein Kindersprichwort sagt.

 

Dem Wasser-Element werden die Organe Niere und Blase zugeschrieben. Die Nieren beinhalten den gesamten Energiespeicher für unser Leben, sind also die Wurzeln unsers Lebens (Lesen Sie mehr über die Grundbegriffe der TCM hier: Lebensenergie Qi, Yin&Yang.). Unsere Aufgabe ist es, die Nieren gut zu pflegen, weil sie uns Mut geben, ins Leben zu gehen. Kräftige Nieren geben uns die Gewissheit, dass wir genug Ressourcen haben, um alles zu bewältigen, was auf uns zukommen mag.

 

Wenn wir uns hingegen über unsere Energie hinaus verausgaben, brennen wir buchstäblich aus. Schlafmangel und Stress sind die größten Feinde der Nieren. Die Emotion, die den Nieren zugeschrieben wird, ist die Angst. Wer immer Angst hat, schwächt seine Nieren ebenfalls oder umgekehrt, wer schwache Nieren hat, merkt das, weil er sehr ängstlich ist.

 

Wichtig für starke Nieren ist Entspannung und nicht immer nur „funktionieren“ müssen. So können sie regenerieren. Ein Urlaub am „salzigen“ Meer ist übrigens eine ideale Therapie, um zu entspannen und neue Nierenenergie zu tanken.

 

Die Blase hat ebenfalls eine wichtige Bedeutung, weil sie den „unreinen“ Teil der Flüssigkeiten ausscheidet. Ihr zugeordnet sind Gefühle wie Eifersucht, Misstrauen und Missgunst.

 

Auf körperlicher Ebene zeigen sich Probleme der Nieren und der Blase in unterschiedlichen Bereichen, weil die Nieren der Sitz unserer Lebensenergie Qi sind. Besonders betroffen sind oft die Ohren. Symptome von geschwächten Nieren oder geschwächter Blase können sein:

  • Kinder: körperliche und/oder geistige Entwicklungsstörungen
  • Erwachsene: frühzeitiges Altern des Körpers (Schwerhörigkeit, Zahnausfall, frühes Ergrauen, verminderte intellektuelle Leistungsfähigkeit)
  • Starkes Kältegefühl bzw. Aversion gegen Kälte (Anmerkung: „Man zittert vor Angst.“)
  • Beschwerden des unteren Rückens oder der Knie, welche durch Wärme besser werden
  • Müdigkeit
  • Schnelle Erschöpfung
  • Reichlich Urin – häufiges Urinieren
  • Impotenz bei Männern oder Libidomangel
  • Nieren-Yin-Mangel: Nachtschweiß, warme Hände/Füße, Schlafstörungen, Angstattacken, sexuelle Übererregbarkeit

 

Dem Wasser zugeordnet ist der Geschmack salzig. Der salzige Geschmack weicht auf und führt ab. Er wirkt Stagnationen entgegen und leitet nach innen und unten.

 

Bei leichten Beschwerden oder zur Unterstützung einer westlichen oder östlichen Behandlung ist die Ernährung ein wichtiger Grundpfeiler, um Besserung zu erreichen bzw. damit es dauerhaft zu einer Beschwerdefreiheit kommen kann. Wenn Sie also Symptome von schwachen Nieren an sich wahrnehmen, kann ein regelmäßiger Genuss von salzigen Nahrungsmitteln – ein bis zweimal pro Tag – helfen. Wichtig bei schwachen Nieren ist auch, dass Sie Ihre Mitte stärken. Dies tun Sie mit wärmenden Speisen, idealerweise mit Suppen, Aufläufen, Eintöpfen oder auch Ofengerichten. Nahrungsmittel aus der Tiefkühltruhe enthalten viel Kälte und schwächen damit die Nieren noch mehr. Vereinfacht gesagt, für den Alltag gut umsetzbar: Dunkle Lebensmittel stärken die Nieren, also Bohnen, Sojasauce, etc.

 

In kleinen Mengen stärken salzige Nahrungsmittel die Nieren, in großen Mengen schaden sie.

 

Zum Wasser-Element zählen beispielsweise:

  • Wärmend: schwarze Bohnen, Parmesan, Geräuchertes, Lachs, Thunfisch
  • Neutral: Linsen, Erbsen, Kidney-Bohnen, Forelle, Hering, Makrele
  • Kühlend: Kichererbsen, Sojabohnen, Tintenfisch
  • Kalt: Salz, Mineralwasser, Sojasauce

 

ERNÄHRUNG im WINTER

 

Im Winter ist der Körper vermehrt Kälte, Feuchtigkeit und Nässe ausgesetzt. Aus diesem Grund sollte man nach TCM keine Nahrungsmittel zu sich nehmen, die noch zusätzlich stark kühlend oder befeuchtend wirken. Zum Beispiel: rohes Obst, Zitrusfrüchte, rohes Gemüse als Hauptmahlzeit, kalte und/oder kohlensäurehaltige Getränke, Milchprodukte. Welche Ernährungsempfehlungen genau passen, kommt stark auf Ihre Konstitution an.

 

Thema im Winter ist natürlich, wie im Herbst, das Immunsystem zu stärken. Alles in allem läuft es in jedem Fall auf mindestens zwei bis besser noch drei gekochte Mahlzeiten hinaus.

 

Was soll man also essen?

 

  1. Ganz wichtig im Winter, wie auch schon im Herbst, ist ein GEKOCHTES, WARMES Frühstück. Mehr über die positiven Wirkungen des gekochten Frühstücks lesen Sie hier.
  2. Essen Sie langgekochte Suppen und Eintöpfe (Meine neue Heimat - Eintopf). Diese wärmen Sie von innen und versorgen Sie durch die Beigabe von Wintergemüse (Karotten, Kartoffeln, Bohnen, etc.) mit vielen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen.
  3. Nahrungsmittel, die speziell Ihre Nierenkraft und/oder das Immunsystem stärken sind:
    • Getreide: Hirse, Gerste, Hafer (z.B. Haferflockenbrei, Hirselaibchen)
    • Sojabohnen (Eintopf mit Tofu)
    • SCHWARZER SESAM
    • Walnüsse
    • Kirschen (eingekochte, frische sind ja nicht verfügbar)
    • Nieren
    • Eier
    • Schlagobers
    • Ingwer und Zimt: Diese beiden Gewürze wirken stark erhitzend. Wenn Sie unter starken Hitzesymptomen wie Kopfschmerzen, Pickel/Akne, Bluthochdruck, etc.) leiden, sollten Sie Zimt, Ingwer und Nelken nur sehr sparsam verwenden.
  4. Essen Sie zwei mal wöchentlich eine KRAFTSUPPE!
  5. Essen Sie immer wieder getrocknete Früchte (z.B. Datteln), Mandeln, Maroni, Karotten, Karfiol, Rote Rüben (z.B. Rote Rüben Laibchen) oder Kürbis (z.B. Ofenkürbis, Kürbissauce...Kürbissuppe)
  6. Essen Sie Obst in Form von Kompotten und Musen!
  7. VERMEIDEN Sie den ganzen Winter rohe Tomaten, Gurken, Südfrüchte, Joghurt, Fruchtsäfte, Mineralwasser, Smoothies und Pfefferminztee!
  8. Trinken Sie warmes Wasser und immer wieder Yogi- oder Kräutertee!

 

EXTRA-WINTER-TIPPS:

  • Da der Winter die Zeit des Auftankens für den neuen Jahreszyklus ist, nehmen Sie sich Zeit zum Auftanken: Meditieren, ein Nachmittag mit Tee vor Ihrer Lieblingsserie, ein langes Bad im Kerzenschein mit einem Glas Rotwein, etc.
  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf! Durch den kürzeren Tag und die Kälte benötigt der Körper mehr Schlaf als in anderen Jahreszeiten – durchschnittlich bis zu einer Stunde! So stärken Sie auch Ihr Immunsystem. Mehr zum Thema Schlaf finden Sie hier.
  • Bewegen Sie sich trotz der Kälte VIEL an FRISCHER LUFT! Frische Luft sorgt für guten Schlaf, Gesundheit, ein starkes Immunsystem und hebt die Laune. Wenn Sie nicht wissen, welche Bewegung für Sie passt, hilft Ihnen dieser Artikel – HIER.
  • Tipps aus der Psyche, damit die Winter-Depression keine Chance hat, sind außerdem: Achtsamkeit, positive Glaubenssätze und LÄCHELN.

 

EXTRA-TIPP für alle Eltern:

  • Für Kinder ist der Winter eine tolle Jahreszeit. Sorgen Sie für viel frische Luft. Herumtollen im Schnee sorgt für rote Wangen und ein intensives Glücksgefühl.
  • Auch Kinder brauchen im Winter mehr Schlaf. Vielleicht passt es am Wochenende immer wieder einen gemeinsamen Mittagsschlaf einzulegen.

 

Falls Sie noch nähere Informationen zur Emotion des Wassers (Angst) wissen möchten, lesen Sie hier weiter: Machst du dir vor Angst in die Hose???

 

ZUM ABSCHLUSS:

Im Winter geht es vor allem darum, Energie zu sammeln! :) So starten Sie geladen in das neue Jahr. Ernährungstechnisch geht es vor allem darum, die Nieren zu stärken, sanft zu befeuchten (im Trockenen fühlen sich Krankheitserreger sehr wohl - Heizungsluft!) und Infekte abzuwehren. Psychisch geht es darum, sich Ruhe zu gönnen. Besonders wichtig für den Körper ist auch, sich ausreichend (idealerweise an frischer Luft) zu bewegen. Wie immer gilt: Körper und Seele sind eine Einheit.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht interessieren Sie auch meine Artikel über Frühling und Sommer, Herbst, Spätsommer, Grundbegriffe der TCM – Lebensenergie Qi, Yin und Yang.

 

Interessante Literatur:

Ernährung nach 5 Elementen“ von Barbara Temelie

Die Fünf Wandlungsphasen Studienausgabe“ von Klaut-Dieter Platsch

"Die Heilung der Mitte" von Georg Weidinger

"Ernährung nach 5 Elementen" von Eva Laspas