„Kinder kommt nörgeln. Das Essen ist fertig.“ (Kalenderspruch Mütterstress)

 

Zur Ernährung von Kindern gibt es so viel zu sagen, dass sich unzählige Blog-Artikel daraus machen lassen. Ich arbeite an vielen! Von Beikost und BLW (Baby Led Weaning), über den Umgang mit Gemüse/Obst, zum Umgang mit Milch/Milchprodukten, Umgang mit Süßigkeiten, Ernährung bei Krankheit (Durchfall, Übelkeit, Bauchweh, Schnupfen, etc.), etc.

 

Mir liegt die Kinderernährung sehr am Herzen, vor allem auch, weil ich selber zwei Kinder habe und somit mitten drin bin im Erleben. Ich kenne die Sorgen, Gefühle, Freuden, nervlichen Herausforderungen, Unsicherheiten, Fragen und den Ärger, weil viele tolle Tipps von ErnährungsexpertInnen bei mir nicht funktionieren. Freuen Sie sich darauf, Antworten auf Ihre Fragen zu bekommen. Sollte Ihre Frage (noch) nicht beantwortet worden sein, kontaktieren Sie mich.

 

 

Ich möchte in diesem Blog Artikel die allerwichtigsten Tipps kurz zusammenfassen. Alle Tipps richten sich hier an Kinder über einem Jahr. Kinder nach dem ersten Geburtstag können/sollen/dürfen ganz normal mit uns Erwachsenen mitessen – vorausgesetzt man kocht kindgerecht und lässt beispielsweise gepökelte/geräucherte Produkte weg. Kinder benötigen weniger Salz bzw. generell dezentere Würzung der Speisen.

 

1. !!!KOCHEN SIE!!!

 

Die Grundlagen einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung werden in der Kindheit gelegt. Gewohnheiten verfestigen sich: So erinnert sich wohl jeder gerne an Esserfahrungen aus der eigenen Kindheit – die selbstgemachten Hascheeknödel bei Urlioma, die Palatschinken bei Oma, der leckere Duft zur Weihnachtszeit, wenn Kekse backen am Kalender stand, etc.

 

Wenn Ihre Eltern gekocht haben, wird es auch Ihnen wichtig sein Ihre Kinder gut zu ernähren und Ihnen dieses Gefühl des gemeinsamen Essens mitzugeben. Wenn Ihre Eltern nicht gekochten haben, haben Sie vielleicht das Bedürfnis selber zu kochen, weil sie es selber nicht kennen gelernt haben und wenn dieses Bedürfnis noch nicht da ist, dann probieren Sie es aus. Es ist nie zu spät neue, schöne Erfahrungen zu machen. Sie schenken Ihrem Kind damit einer der wichtigsten Dinge für sein jetziges und zukünftiges Leben. Gesundheit!

 

Selber kochen bietet Unmengen an Vorteilen. Man kann alles, was auf den Teller und anschließend in den eigenen Körper kommt, selber auswählen. Man kann die Salzmenge, das Öl (möglichst hochwertig, was in Fertigprodukten nicht der Fall ist), alle Gewürze (schützt vor Überwürzung), das Gemüse (frisch, bio, das was wirklich schmeckt) selber bestimmen. Die Kinder sehen wie frische Zutaten verwendet und verarbeitet werden und ganz nebenbei sind nicht in jedem Essen eine ganze Menge Zucker oder Zuckeraustauschstoffe sowie sonstige unaussprechbare/unbekannte/kompliziert klingende Zutaten drin. (Schnelle bei Kindern beliebte Rezeptidee: Hirsebrei oder Hirselaibchen)

 

2. "VERTRAUEN SIE IHREM KIND UND ÜBEN SIE KEINEN DRUCK AUS!"

 

Oh ja, dieser Punkt ist unglaublich schwer. An manchen Tagen gelingt er super leicht und an anderen Tagen geht er wirklich schwer von der Hand und die Sorge oder die eigene Ungeduld sind stärker. Das ist okay! Sie sind nur ein Mensch.

 

Eine etwas veraltete, aber gute Studie kommt von Clara Marie Davis. Sie ließ Kleinkinder selber aus einem Pool von natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln wählen und fand dabei heraus, dass die Kinder intuitiv gewählt haben, welche Nährstoffe sie brauchen. Alle Kinder entwickelten sich altersgerecht und hatten keine Mangelerscheinungen.

 

Diese Studie ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, weil a) die Kinder sehr klein waren, b) die angebotenen Nahrungsmittel alle ganz natürliche waren usw. Ich finde aber trotzdem, dass sie wertvoll ist, weil  gezeigt wird, dass Kinder sehr wohl genau wissen, was sie wann brauchen. Vorausgesetzt die Kinder kennen naturbelassene, unbehandelte Nahrungsmittel.

 

Wenn ein Kind gar nicht weiß wie ein Apfel schmeckt, weil es immer nur Apfel aus dem Glas bekommen hat oder wenn ein Kind keinen Brokkoli ohne irgendwelche fertigen Saucen kennt, kann es auch nicht wählen. Wichtig ist, dass man Kindern von Anfang an alles möglichst naturbelassen in verschiedenster Form anbietet.

 

Ihr Kind weiß dann in jedem Fall, was es braucht und wenn das tagelang nur Reis ist, kann es sein, dass es zu viel Schleim in sich hat (z.B. bei häufiger Erkältung) und diesen ausleiten will ohne die Verdauung zu belasten.

 

So schwer es ist: Bleiben Sie gelassen! Sie kochen und bringen eine tolle Mahlzeit auf den Tisch, ABER ihr Kind bestimmt, was und wie viel es davon isst. (Vielleicht interessiert Sie auch der Artikel über "Ernährung und Essverhalten" und "Setpoint Theorie oder der JOJO Effekt")

 

3. KEINE FERTIGPRODUKTE oder MIKROWELLENKOST

 

Ich bitte Sie inständig, im Sinne der Gesundheit Ihres Kindes: Verzichten Sie auf Fertigprodukte und Mikrowellenessen! Ich sage das absichtlich sehr klar und streng.

 

Ich kenne diese Ausreden: „Als berufstätige Frau fehlt mir die Zeit.“ „Die Kinder essen das sowieso nicht.“ „Wieso soll ich mir den Kampf antun, mein Mann mag auch lieber eine Fertigpizza.“ „Ich kann/will nicht kochen.“ „Ich kaufe eh nur die Fertigprodukte, die auch Vitamine haben, wenig Salz enthalten, etc.“ (Diese „gesund-machenden“ Angaben sind übrigens mit GROSSER Vorsicht zu genießen!!!)

 

Und wissen Sie was? Kochen braucht nur anfangs Zeit, wenn man es nicht gewöhnt ist. Es gibt unzählige wirklich einfache, schnelle Rezepte und JEDER kann kochen. Stöbern Sie in meinen Rezepten. Machen Sie es sich so einfach wie möglich. Kochen Sie in größeren Mengen und wärmen sie es abends am Herd (nicht in der Mikrowelle) auf.

 

Beispiele:

  • Kochen Sie einen großen Topf Hirse - einmal machen Sie ein Hirserisotto daraus .- etwas Gemüse klein schneiden, dünsten und unter die Hirse mischen, mit Parmesan bestreuen, servieren - fertig.
  • Am nächsten Tag geben Sie in den Rest ein Ei und etwas Käse, mischen es und klatschen Laichen auf ein Backblech - 15 Minuten bei 180°C backen - fertig.
  • Couscous geht ebenfalls total schnell und mit Kichererbsen, etwas kleingeschnittenem Gemüse (eventuell gedünstet) gemischt haben Sie eine vollwertige Mahlzeit.
  • Suppen kann man in großen Mengen kochen, ein bisschen Gemüse dazu, Backerbsen, etc.
  • Nudeln sind in 10 Minuten fertig, dazwischen passierte Tomaten würzen und köcheln - mit Parmesan bestreuen oder auch Linsen untermischen - fertig. (Schnelles Nudelrezept: Bunte Nudeln)

 

4. KEIN FERNSEHEN, HANDY oder LESEN beim Essen

 

Essen als Familie, sich Zeit nehmen, Gespräche über den Tag führen, gemütlich das Essen bewusst genießen. Da stört der Fernseher, das Handy oder die Zeitung ganz schön. Bei uns gibt es kein Handy während des Essens, es wird nicht abgehoben, wenn es läutet. So gehen wir mit gutem Beispiel voran – das gemeinsame Essen ist wichtig und schön. Zeiten ohne Handy oder Fernseher sollte man ohnehin haben.

 

5. REDUZIEREN SIE ZUCKER

 

Zucker schadet der Gesundheit Ihres Kindes!

 

In der westlichen Ernährungslehre gilt weißer Zucker als Nährstoffräuber, schwächt die Knochen und die Zähne und zerstört eine gesunde Darmflora, was wiederum das Immunsystem Ihres Kindes schwächt. In der TCM schwächt Zucker den gesamten Körper, er befeuchtet und kühlt. Trotzdem ist der NATURsüße Geschmack nach TCM wichtig, weil er in kleinen Mengen Magen und Milz, also die Verdauung stärkt, den Körper nährt und harmonisiert.

 

Ideal ist es Kuchen und andere Süßspeisen selber zuzubereiten mit Roh- oder Vollrohrzucker. Man kann die im Rezept angegebene Zuckermenge um ¼ bis zur Hälfte reduzieren ohne an Geschmack einzubüßen. Vor allem Kinder werden den Unterschied nicht merken, weil ihre Geschmacksnerven noch sehr fein sind. Tragen Sie dazu bei, dass es so bleibt!

 

Ansonsten bleibt Ihnen nur: SENSIBILISIEREN SIE IHR UMFELD! Zucker ist für Kinder schädlich und wird heutzutage sowieso ausreichend konsumiert. Es gilt eigentlich nur noch den Zuckerkonsum einzuschränken so gut es geht. Verbieten bringt nichts, weil Süßigkeiten dann erst recht interessant werden. Wichtiger und besser ist es, den Kindern einen guten Umgang zu lernen und eben zu Hause darauf zu achten, dass Süßigkeiten die Ausnahme sind.

 

Kleine Tipps:

  • Backen Sie Kuchen ohne Zucker!
  • Machen Sie Kekse ohne Zucker!
  • Kaufen Sie selber keine Süßigkeiten für Ihre Kinder!
  • Essen Sie selber keine Süßigkeiten vor den Kindern!
  • Nehmen Sie keine Süßigkeiten mit, wenn Sie bei Kindern eingeladen sind! Pixie Bücher, Bastelutensilien, Autos, Seifenblasen, etc. sind gern gesehene Alternativen.
  • Erklären Sie Ihren Kindern, dass Süßigkeiten krank machen, wenn man sie ständig isst - ein Stück Kuchen ist genug, zwei sind zu viel. Sie können zum Beispiel sagen: "Zucker macht die Muskeln kaputt und du willst groß und stark werden, oder?"
  • Hier zwei süße Rezepte ohne Zucker: leckere Kekse oder auch Kuchen ohne Zucker aber süß & lecker.
  • Lesen Sie auch meinen Blog-Artikel über Zucker.

 

6. Sonstiges

 

Ganz viele weitere wichtige Tipps behandle ich ausführlicher in extra Artikeln. Hier nur kurz und bündig:

  • Bieten Sie Ihrem Kind ein warmes Frühstück an (stärkt unter anderem das Immunsystem)! (Rezeptidee: Haferflockenbrei)
  • Geben Sie Kuhmilch nicht täglich (Alternativen sind Reis-, Hafer-, Mandel-, Dinkelmilch OHNE Zuckerzusatz)!
  • Bieten Sie viel Obst und Gemüse in gekochter und immer wieder in roher Form an!
  • Reduzieren Sie Brotmahlzeiten! (Informationen zum Thema Brot finden sie hier.)
  • Schaffen Sie Pausen zwischen den Mahlzeiten, damit der Körper Zeit hat zu verdauen.
  • Achten Sie auf ausreichend Bewegung - Mehr Informationen dazu finden Sie im Blog-Artikel: Bewegt von Babybeinen an...

 

ZUM ABSCHLUSS:

Für die Entwicklung von Kindern ist eine nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und viel Zeit zum Spielen, Toben, Rasten und „Sein“ wichtig, um gesund erwachsen zu werden. Der kindliche Körper und die kindliche Seele sind viel sensibler vernetzt als wir denken.

 

Und für SIE: Sie tun Ihr Bestes, wenn Sie kochen und ein gutes Vorbild sind in Bezug auf frisches, saisonales Obst und Gemüse, wenig Zucker/Süßigkeiten, keine Fertigprodukte und Gelassenheit.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht interessieren Sie auch die Artikel "Essen soll Freude machen" und "Warum essen wir, was wir essen und wann?"

 

Interessante Literatur:

Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder: Einfache Fünf-Elemente-Küche für die ganze Familie von Karin Hofer

Chinesische Heilkunde für Kinder: Wie sich Kinderkrankheiten heilen und vermeiden lassen. Ein praktischer Ratgeber für Eltern“ von Bob Flaws

Kinderernährung gesund & richtig: Expertenwissen und Tipps für den Essalltag“ von Gabi Eugster

Informationsbroschüren kann man sich beim Bundesministerium bestellen:

http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Rezepte_Broschueren_Berichte/