„Kinder brauchen Bewegung!“

 

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang von Anfang an. Leider wird dieser heutzutage häufig durch unseren inaktiven Lebensstil gehemmt. Beispiele dafür sind: Babys im engen Kinderwagen herum zu kurven oder im Kaffeehaus stundenlang auf sich sitzen zu haben; Kleinkinder bereits mit Computer und Handy ruhigzustellen (Wickelapps sind leider schon Standard damit die Kleinen stillhalten); Stundenlanges Fernsehen; Sitzen im Unterricht – was zwar schon immer so war, nur dass die Kinder früher wenigstens den Schulweg zu Fuß zurückgelegt haben und heute werden sie von Tür zu Tür gefahren; Stundenlanges Computer spielen je älter Kinder werden.

 

 

Ich möchte in diesem Artikel zusammenfassen, wie wichtig Bewegung ist und warum. Außerdem sollen Sie erfahren wie viel Bewegung notwendig ist und wie Sie das in die Praxis umsetzen können.

 

Warum ist Bewegung im Baby-, Kleinkind- und Kindesalter sowie in der Jugend so wichtig?

 

Wenn sich Kinder zu wenig bewegen, hat das negative Folgen für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit. Sie leiden oft unter psychischen Problemen wie seelischer Unruhe, Unausgeglichenheit, Nervosität und sogar Depressionen. Körperlich zeigt sich Bewegungsmangel schon früh in Haltungsschäden, Übergewicht, Muskelverspannungen und/oder Rückenschmerzen.

 

Wenn sich Kinder viel und ausreichend bewegen fördert das ihre ganze Entwicklung:

  • Die Bildung von Nervenzellen im Gehirn wird unterstützt, was sich unter anderem daran zeigt, dass sich bewegte Kinder besser konzentrieren können.
  • Bewegung stärkt die Muskulatur, das Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem, die Lunge und die Knochen.

 

All das macht sich im Erwachsenenleben bezahlt.

 

Wie viel Bewegung sollte Ihr Kind machen?

 

ExpertInnen empfehlen täglich mindestens 60 Minuten Bewegung. Je jünger Ihr Kind ist, desto mehr Bewegung sollte es sein. Ihr Kind darf dabei ruhig außer Atem kommen und schwitzen. Ideal ist Bewegung an frischer Luft.

 

ALSO: Täglich mindestens eine Stunde raus! Hier in der Steiermark regnet es selten so stark, dass dies wirklich nicht möglich ist. In Oberösterreich, wo ich aufgewachsen bin, hatten wir oft tagelang Starkregen. Doch selbst dann, einmal am Tag – Gatschhose, Gummistiefel und Hupf in Gatsch spielen! Kinder lieben es und sind danach wieder ausgeglichener beim Puzzle bauen, Zeichnen und Spielen drinnen.

 

Welche Bewegung sollte es sein?

 

Ideal ist, wenn Kinder Geschicklichkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer trainieren. Babys, Kleinkinder und Kinder machen das automatisch beim Herumtollen im Freien, wenn man ihnen den Raum lässt – also Strampeln, Kugeln und Krabbeln am Boden, Klettern am Spielplatz/im Turnsaal, Bewegungsspiele im Freien, Trampolin oder Springschnur springen, etc.

 

Ab dem Kinderalter ist es sinnvoll die körperlichen Fähigkeiten durch das Erlernen von Sportarten auszuweiten. So können sie bald Laufrad fahren lernen, dann schon Radfahren, Eislaufen, Schifahren, Schwimmen, Fußball, Tennis, Klettern, Tanzen, Turnen, etc.

 

WICHTIG IST: Bewegung sollte in erster Linie Spaß machen. Leistungsdruck ist im Kleinkind- und Kindesalter ABSOLUT FEHL AM PLATZ!!!

 

Wie sieht das in der Praxis aus???

 

Babys im Bauch

 

Es gibt eine Vielzahl von Studien, die zeigen, dass Bewegung der Mutter während der Schwangerschaft positive Auswirkungen auf das Ungeborene hat. Der Körper der Mutter wird mit viel Sauerstoff versorgt, was dem Baby zugutekommt und seine Gehirnentwicklung fördert. Außerdem hat sich gezeigt, dass Neugeborene von sportlich aktiven Müttern eine höhere Stresstoleranz aufweisen.

 

ALSO: Liebe werdende Mamis – bewegt euch so viel wie möglich für die Gesundheit eures Babys und nebenbei auch eure eigene ;)! Walken, Wandern, Schwimmen, Tanzen sind absolut empfehlenswert.

 

Babys im ersten Lebensjahr

 

Nun ist das Baby auf der Welt. Was jetzt?

Babyschalen und Wippen sind generell nicht empfehlenswert und am besten möglichst kurz und selten zu verwenden. Also der Weg zum Supermarkt ist nicht das Problem oder einmal eine längere Fahrt zu Verwandten oder das Liegen in der Wippe während man das Essen macht. Gemeint ist stundenlanges Shoppen, welches das Baby im Maxicosy verbringt oder mehrmals täglich längere Zeit in der Wippe. Herumtragen – Jein. Babys brauchen Nähe und sollen auch getragen werden. Am besten eignet sich dafür eine geeignete Babytrage oder einem Tragetuch. Wenn das Baby darin sitzt, werden Areale im Gehirn aktiviert, die für die Bewegung zuständig sind. Das Baby bewegt sich dann quasi mit Ihnen. Also, liebe Mamis – walken, spazieren gehen oder auch wandern. Das Baby geht mit :).

 

Ansonsten gilt: Legen Sie Ihr Baby so viel wie möglich flach auf eine dickere Decke auf den Boden und lassen Sie es strampeln. Anfangs sind Mobiles interessant oder auch einfach ein Glöckchen, das am Fuß oder auf der Hand befestigt wird. Mit einigen Monaten wird es beginnen sich zu drehen, kugeln, robben, krabbeln, etc. Jedes Baby hat da sein eigenes Tempo und seine Vorlieben. Alles ist okay!

 

Bewegung fördert die Entwicklung körperlicher (motorischer) und geistiger (kognitiver) Fähigkeiten.

 

Die Zeiten, die Ihr Kind wirklich unbewegt im Kinderwagen oder Babyschale liegt oder auf Ihnen in einem Kaffeehaus sitzt, sollten möglichst kurz sein. Vielleicht können Sie diese Zeiten so organisieren, dass es die Schlafenszeiten Ihres Babys sind, in denen Sie Ihre Einkäufe erledigen usw. Vielleicht können Sie Freunde zu sich einladen und Ihr Baby kann fröhlich neben Ihnen strampeln anstatt auf Ihnen herumzusitzen.

 

Hier möchte ich anmerken: Babys und Kleinkinder, Kindergarten- und Schulkinder haben im Kaffeehaus sowieso wenig verloren. Sie gehören auf Spielplätze, in Indoor-Spielhallen, in Schwimmbäder oder in den Garten. Das heißt übrigens nicht, dass Sie nie ins Kaffeehaus oder frühstücken gehen können. Versuchen Sie einfach es selten zu machen.

 

Kleinkinder und Kindergartenkinder

 

Ab dem zweiten Lebensjahr bis in die Volksschulzeit ist eine entscheidende Phase, in der biologische, psychosoziale und kognitive Grundlagen geschaffen werden für DAS GESAMTE WEITERE LEBEN! In diesem Alter sollen sich Kinder mehr als eine Stunde täglich FREI bewegen und Spaß dabei haben.

 

Bei Schönwetter, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter – GEHEN SIE RAUS! Hier sind ein paar Ideen:

  • Spielplatz
  • „Abfangen“ (wie man in der Steiermark sagt – „Fangerl“ wie man in Oberösterreich sagt) spielen im Garten
  • Trampolin springen (es muss kein großes Trampolin sein, auch ein kleines am Balkon oder im Wohnzimmer ist ausreichend)
  • Verstecken spielen (da lernen die Kleinen auch gleich zählen - bei unserem Kleinen klingt das so: "7...8...9...10..komme ;)")
  • Laufrad fahren bzw. Rad fahren (da können Sie gleich neben her laufen und trainieren mit)
  • Schwimmen im Freibad oder am See, in der Therme oder im Hallenbad
  • Bob-, Schlitten-, Tellerfahren
  • Schneeballschlacht machen
  • Schneeburg bauen und Ritter spielen
  • Fangen spielen im Schnee ist extra anstrengend :)
  • Eislaufen
  • Schifahren
  • Eltern-Kind-Turnen bieten viele Vereine an
  • Indoor-Spielplätze (aus meiner Wien-Zeit kann ich den Monky Park oder die Family & Fun Halle sehr empfehlen; hier am Land muss öfter Mal der Spielraum im Lutz genügen)
  • Wettläufe machen
  • Hürdenlauf machen (Seien Sie kreativ und bauen Sie verschiedene Stationen auf! Je älter die Kinder werden, umso selbstständiger werden sie das machen)
  • Ball spielen – Ball werfen und fangen, nachlaufen, mit dem Fuß kicken, etc.
  • Seifenblasen fangen
  • Roller fahren
  • etc.

 

Kinder zwischen 7 und 12

 

In diesem Alter ist die Geschicklichkeit am höchsten Niveau. Man kann sie fördern mit Springen, Werfen, Laufen und/oder Klettern. Wenn man die Geschicklichkeit in diesem Alter gut trainiert, kann man beinahe alle Sportarten betreiben. Das heißt nicht, dass man ein Hermann Maier in allem werden kann – zum Profisport gehört natürlich ein früher Beginn und eisernes Training. Das heißt aber, dass man die Grundlagen jeder Sportart erlernen kann. Im Turnen wird man weder Schwierigkeiten beim Volleyball-, Handball- oder Fußballspielen haben.

 

Jugendalter

 

In der Jugend ist Bewegung besonders wichtig zur psychischen Ausgeglichenheit. Oft sind die Jugendlichen allerdings gerade in einer Lebensphase, wo Bewegung hintansteht, weil LANGEEES Schlafen, Herumhängen mit Freunden, Fortgehen und Computer spielen wichtiger sind. Hier ist es förderlich, wenn Ihr Kind bereits von klein auf in einem Verein ist und einen Sport mit anderen betreibt. Sport mit Freunden macht man auch als Jugendlicher gerne. Ansonsten gilt es: Keinen Druck auszuüben und darauf zu vertrauen, dass Sie Ihrem Kind eine gute Grundlage mitgegeben haben. Wenn Ihr Kind sich als Kleinkind und Kind viel bewegt hat, wird es auch in diesem Alter merken, dass ihm Bewegung gut tut.

 

Sollte Ihr Kind wirklich einmal wochenlang nur herumhängen, versuchen Sie sich zurückzuhalten. Zwingen und Drängen hat IMMER einen gegenteiligen Effekt, vor allem auch, weil es eine Lebensphase ist, in der man sich von den Eltern abgrenzen und auf alle Fälle tun will, was die Eltern NICHT wollen.

 

Versuchen Sie, gelassen zu bleiben. Bieten Sie Ihrem Kind immer wieder Bewegungsmöglichkeiten an und akzeptieren Sie, wenn es diese nicht annimmt. „Magst du vielleicht mit mir eine Runde Walken gehen?“ „Wir gehen morgen wandern. Magst du mitgehen? Dann können wir auch nicht um 8 Uhr, sondern erst um 12 Uhr aufbrechen und am Nachhauseweg Pizza fürs Abendessen mitnehmen?“ Auch, wenn 10 Mal ein „Nein“ kommt, kommt vielleicht beim elften Mal ein „Ja“.

 

Vertrauen Sie Ihrer Erziehung, Ihrer Liebe und Ihrem Kind. Sie geben ihm die BESTEN GRUNDLAGEN mit in RICHTUNG BEWEGUNG, ERNÄHRUNG und LIEBE!

 

ZUM ABSCHLUSS:

Körper und Psyche sind von Beginn an eine Einheit. Bewegung wirkt sich auch schon bei Babys und Kinder positiv auf ihr Wohlbefinden aus. Zusammen mit nährstoffreichem, selbst gekochtes, liebevoll zubereitetem Essen und entspannten Familienmahlzeiten, Liebe und Geborgenheit geben Sie die besten Grundlagen für das spätere Leben mit.

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Vielleicht interessiert Sie auch mein Artikel über "Kinder-leichte Ernährung" und Warum Rituale für Kinder wichtig sind!

 

Interessante Literatur:

PEKIP: Babys spielerisch fördern.“ von Anne Pulkkinen

Entwicklungspsychologie“ von Oerter und Montana