„Eine Gewohnheit kann man nicht einfach zum Fenster hinauswerfen. Man muss sie Stufe für Stufe die Treppe runterschmeißen. (Mark Twain)

 

Letzte Woche haben Sie darüber gelesen, warum Veränderung so schwer ist und welche Strukturen im Gehirn dafür verantwortlich sind, dass wir an Gewohnheiten so klammern wie eine Klette an einer Jacke - Warum sind Veränderungen so schwer?

 

Heute möchte ich Ihnen erklären, was passiert, wenn Sie eine Gewohnheit verändern möchten und dann wie man Schritt für Schritt wirklich langfristig Gewohnheiten verändern kann. Ich schließe dabei an meine Beispielsituationen von letzter Woche an, deshalb würde ich Ihnen empfehlen, diesen Artikel vorher zu lesen.

WAS PASSIERT, WENN MAN VERSUCHT GEWOHNHEITEN ZU VERÄNDERN?

Ganz einfach, es passiert eine totale Verwirrung im Gehirn. Um unsere Beispielsituationen herzunehmen passiert folgendes:

 

SITUATION 1 – Couch statt Bewegung machen

Wenn Sie sich doch aufraffen und Walken gehen, anstatt auf der Couch zu sitzen, sinkt der Pegel an Entspannung fürs Erste ab. Genauso sinkt allerdings der Pegel an Schuldgefühlen, weil Sie diese nicht mehr benötigen. Sie tun ja jetzt etwas. Das Gehirn denkt aber: „He, was ist da los? Da fehlt doch etwas – ich brauche Entspannung. Körper – hinsetzen. Was du hörst nicht? Dann muss ich dir wohl ein paar Knieschmerzen oder Halsschmerzen erzeugen…“ Das Gehirn möchte im ersten Impuls zu seiner gewohnten Handlung zurückkehren. Dann läuft für das Gehirn alles „normal“ und „normal“ strebt es an.

 

SITUATION 2 – Gesündere Ernährung

Wenn Sie jetzt etwas Neues; Ungewohntes kochen und das erste mal weniger oder keinen Zucker verwenden oder weniger Salz oder ein neues Gewürz, denkt das Gehirn: „Wo ist mein Zucker? Das schmeckt irgendwie komisch…wo ist mein Fleisch? Koch gefälligst, was du immer kochst – ich produziere schnell ein paar Hormone und Botenstoffe, um dich wieder auf Kurs zu bringen.“

 

SITUATION 3 – Warmes Frühstück beginnen

Wenn Sie das erste Mal einen Brei essen, braucht Ihr Körper natürlich andere Verdauungsenzyme und zusätzlich fehlt ihm vielleicht der eine oder andere vertraute Geruch. Nach dem Motto: „Wos da Bauer net kennt…“ reagiert der Körper und geht in Abwehrhaltung. Selbst wenn es schmeckt – das Gehirn weiß ganz bewusst das Gefühl zu erzeugen, dass etwas fehlt und wird Sie wieder zum Brotessen animieren.

 

ZUSAMMENGEFASST:

Ihr Gehirn möchte, dass Sie zu Ihrer gewohnten Handlung zurückkehren, weil er diese kennt und weil diese „normal“ und alles andere mühsam ist. Das Gehirn ist ganz gefinkelt mit dem Finden von Ausreden und dem Senden von Gedanken:

„Heute war es so besonders anstrengend, heute ist die Couch okay.“

„Heute möchte ich es mir mal gut gehen lassen, so richtig, da ist Bewegung nicht das Richtige, das mach ich eh sonst auch, aber so richtig toll ist es nicht.“

„Morgen ist auch noch ein Tag.“

„Die Kinder/der Mann mögen dieses Essen bestimmt nicht.“

„Ich mach den anderen doch eine große Freude mit Schnitzerl und Pommes.“

„Das Brot wird alt, brauch es lieber auf, der Brei kann warten.“

 

Einige Gehirne sind ganz gefinkelt und reagieren auf Gefühle mit körperlichen Symptomen. Also wenn Sie etwas nicht tun möchten, dann entwickeln Sie irgendwelche körperlichen Gebrechen – Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Knieschmerzen, Infekte, Entzündungen, etc. Diese Symptome sind eine gute Ausrede, sich nicht zu bewegen, keine neuen Rezepte zu probieren und doch beim „normalen“ Frühstück zu bleiben. (Mehr dazu hier: Psychosomatik – Was bedeutet das?)

 

Ich sage hier übrigens nicht, dass die Symptome nicht da sind – in keinem Fall!!! Die Symptome sind real und sind auch ernst zu nehmen. Sie sind nur aufgrund von Gefühlen und Gedanken entstanden. Man redet hier von Psychosomatik. Man geht übrigens davon aus, dass die meisten Erkrankungen psychosomatisch sind.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang sind die Gefühle und Gedanken, die man verinnerlicht, wenn man sich ständig etwas vornimmt und es am Ende nicht umsetzen kann. Gedanken wie „ich bin ein Versager“, „ich bin faul“, „ich bin zu blöd“, „meine Eltern wollten das schon nicht und sind schuld“ oder „das war immer so, da kann ich nicht aus“ brennen sich tief ins Unterbewusstsein ein. In mühsamer Schichtarbeit kann man diese Glaubenssätze auflösen.

 

ALSO: ES ist FURCHTBAR SCHWER, GEWOHNHEITEN zu verändern!!! ABER ES IST MÖGLICH! Wenn man die Prozesse und Mechanismen versteht, kann man sich verändern und die folgenden Punkte helfen dabei Veränderungen wirklich umsetzen zu können:

 

  1. BEWUSSTWERDUNG

 

Ich werde NIEMALS müde Ihnen wirklich ans Herz zu legen zu reflektieren – über sich selber, über Ihre Verhaltensweisen und über Ihre Gedankengänge. Das bedeutet nicht ständig zu grübeln! Das bedeutet – wenn Sie etwas verändern möchten, dann analysieren Sie so genau wie möglich Ihren IST-Zustand. So schwer es ist fürs Erste WERTFREI.

 

Wenn Sie drauf kommen, dass Sie sich überhaupt nicht bewegen, dann hinterfragen Sie – WARUM? Welche Ängste verbergen sich dahinter? Welche Ausreden haben Sie? Wie war das in Ihrer Kindheit? Welche Einstellung haben Ihre Eltern zu Bewegung? Wie sieht das Ihr Freundeskreis? Was ist Ihre ehrliche Einstellung dazu?

 

Wenn Sie häufig Magenschmerzen oder Kopfschmerzen haben, dann fragen Sie sich – WAS könnte DAHINTER liegen? Welche Gefühle können dahinter stehen? Wann tritt das Symptom auf? Wann ist es stärker? Wann ist es besser? Hat es etwas mit einem Nahrungsmittel zu tun?

 

Wenn Sie sich gesünder ernähren möchten, dann hinterfragen SIE – Wie ist es jetzt? Welche Gefühle verbinden Sie mit dem Essen oder bestimmten Mahlzeiten? Wie essen Sie? Wann essen Sie? Wo essen Sie? Was essen Sie?

 

Wenn Sie Beziehungsprobleme haben, dann fragen Sie sich – WAS ist mein Anteil daran? Wie verhalte ich mich? Wie könnte ich mich sonst verhalten? Könnte mein Verhalten etwas verändern? Wieso verhalte ich mich, wie ich mich verhalte?

 

SCHONUNGSLOS und EHRLICH! Machen Sie sich BEWUSST, wie es ist. Erst wenn Sie genau wissen, was IST, können Sie sich verändern, weil Sie erst dann genau ausdrücken/fassen/sich vorstellen können, was Sie nicht wollen. Bewusstmachung ist eine liebevolle Begegnung mit Ihnen selber.

 

  1. ZIEL

 

Nachdem Sie nun wissen, wie Ihre Situation ist, konkretisieren Sie Ihr Ziel. Wohin möchten Sie? Was möchten Sie erreichen? Formulieren Sie Ihr Ziel so genau und detailliert wie möglich. Idealerweise haben Sie ein Bild vor Augen, wie Ihr Leben dann aussehen wird. Dafür hilft Ihnen Punkt 3.

 

  1. WARUM?

 

Wenn Sie Ihr Ziel formuliert haben, dann müssen Sie sich fragen, WARUM Sie etwas Neues ausprobieren oder eben dieses oder jenes verändern möchten. WARUM möchten Sie sich mehr bewegen? Warum möchten Sie sich und Ihre Familie gesünder ernähren? Warum möchten Sie ein warmes Frühstück probieren? Etc.

 

Und wenn Sie dieses WARUM beantwortet haben, nehmen Sie Ihre Antwort und fragen wieder WARUM. Das machen Sie dann einige Zeit, bis Sie ganz tief drin sind und ganz überzeugt sind, WARUM Sie das wirklich möchten. Idealerweise machen Sie das schriftlich.

 

Beispiel:

„Ich möchte ein warmes Frühstück ausprobieren.“ – Warum?

„Weil ich mehr Energie haben möchte.“ – Warum möchtest du mehr Energie haben?

„Damit ich wieder mehr Sport machen kann und weniger erkältet bin.“  - Warum möchtest du mehr Sport machen und weniger erkältet sein?

„Weil ich mich dann in meinem Körper wieder wohler fühle und meine Wochenenden dann nicht krank im Bett verbringe, sondern Freunde treffen kann.“

USW. Spiel das Spiel solange wie möglich.

 

  1. STOP

 

Stoppen Sie Ihre hinderlichen Gedanken – Stoppen Sie vielleicht generell Ihre Gedanken! Sobald Sie zuviel zu denken anfangen, ob Sie jetzt Walken gehen oder fernsehen sollen oder ob Sie jetzt das Gemüse oder die Nudeln kochen sollen oder wie das warme Frühstück denn möglich sein wird – sagen Sie „STOP“ zu sich und tun sie es einfach. Viel Denken schwächt nach TCM die Milz und den Magen. Sie können schlecht verdauen, es bildet sich Schleim und der liegt dann da drin und verursacht jede Menge Beschwerden. STOPPEN Sie Ihre Gedanken und tun sie eins nach dem anderen.

 

  1. GEBEN SIE IHREM GEHIRN ZEIT NEUE GEDANKEN, GEWOHNHEITEN und HANDLUNGEN zu ERLERNEN – BABYSTEPS sind die NACHHALTIGEREN STEPS!!! KLEINE SCHRITTE – GROSSE WIRKUNG

 

Auch hier werde ich nicht müde meinen KlientInnen zu sagen, dass Sie sich, Ihrem Denken und Ihrem Körper Zeit geben sollen. Es dauert einfach bis neue Neuronenverbindungen im Gehirn entstehen und so stark sind, dass die anderen verkümmern und die neuen automatisch verwendet werden. Ich vergleiche das immer gerne mit einem ausgegangenen Wanderweg im Wald: Sie gehen immer diesen Weg, der ist schön ausgegangen. Sie wollen aber jetzt einen neuen Weg gehen. Dieser neue Weg ist beim ersten Mal Gehen mühsam, weil Sie erst die Äste und Hindernisse aus dem Weg schaffen müssen. Es dauert einige Zeit und viele Spaziergänge, bis der Weg einigermaßen schön zu begehen ist und es dauert noch länger bis automatisch alle diesen Weg nehmen, weil er schöner ist als der andere, der mittlerweile verwachsen ist.

 

Auf unsere Beispiele angewendet bedeutet das:

SITUATION 1: Machen Sie doch abends erst einmal nur 10 Minuten Bewegung und hauen sich dann auf die Couch. Die zweite Woche gehen Sie schon 15 Minuten, die dritte Woche 20 Minunten, so lange bis Sie Ihre gewünschte Zeit erreicht haben.

SITUATION 2: Kochen Sie doch einfach in der ersten Woche ein warmes Frühstück und verändern Sie sonst gar nichts an Ihrer Ernährung, was sich nicht von selbst ergibt. In der zweiten Woche versuchen Sie ein paar neue gesunde Rezepte – alle zwei bis drei Tage. In der dritten Woche festigen Sie das Ganze. usw.

Irgendwann hat sich die neue Gewohnheit so in ihrem Leben festgesetzt, dass Sie sie nicht mehr missen möchten, möglicherweise ohne es zu merken, weil es so kleine, aber dafür NACHHALTIGE Schritte waren.

BABYSTEPS!!!

 

Lassen Sie mich doch wissen, ob Ihnen die Tipps geholfen haben. Ich freue mich über Rückmeldungen – gerne auch per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

 

Kommen Sie vielleicht selber nicht ganz zurecht mit Ihren Veränderungswünschen oder hakt es irgendwo? Vereinbaren Sie gerne einen Beratungstermin – KONTAKT.