Heute möchte ich über ein besonders sensibles Thema schreiben. Dieses Thema konfrontiert viele Frauen damit scheinbar "zu scheitern" und zwar beim vermeintlich "natürlichsten" der Welt: dem Stillen... 

 

Die Werbung, Ärzte und die Gesellschaft weiß:

🤱 Stillen ist das Beste für das Baby. 

🤱 Jede Frau hat genug Milch, wenn nicht, macht sie etwas falsch: zuviel Stress, nicht genug angelegt, falsche oder zuwenig Beratung. 

 

Gestresst wird man, wenn man stillen möchte genauso wie wenn man es nicht möchte. 

 

Gesellschaftlich ganz schlimm ist, wenn man nicht stillen möchte. Im Krankenhaus wird man dann 100mal gefragt es sich nicht doch zu überlegen (habe ich bei einer Zimmerkollegin mitbekommen)... Aber mal ehrlich: Was ist dabei, wenn eine Frau für sich entscheidet, dass sie ihren Körper zurück möchte und zwar warum auch immer? ... Wenn SIE es besser findet ist es die bessere Lösung als sie tut etwas, dass sie nicht möchte... 

 

Wenn man stillt bekommt das Baby in den meisten Fällen im Krankenhaus ein Flascherl rein gesteckt, weil die Babys eben nicht sofort zunehmen. 

 

Zusammengefasst: Still dein Baby. Jede Frau kann das. Aber, wenn es nicht sofort klappt (was theoretisch ganz normal ist) gib Flascherl. 

 

Allein das ist für viele Frauen im Wochenbett schwer zu verkraften. Immerhin wurde uns eingehämmert: "Stillen ist das Beste für das Baby." Welche Mama möchte das nicht und dann "scheitert" man bereits am Beginn. 

 

Ja, dann steht Frau da:

....muss vielleicht gleich mal zufüttern um überhaupt heimgehen zu dürfen

...muss vielleicht ein Stillhütchen nehmen

...muss sich von Omas oder anderen bei jedem Schreien anhören, das Baby hätte Hunger und ob man schon genug Milch hätte oder man soll Tee, etc zufüttern... 

 

"Wunderbar" für eine Mama im Wochenbett! Ich kann versichern, dass sich viele Frauen gleich einmal unfähig und falsch als Frau und Mama fühlen. Als hätte sie versagt.

 

Hier möchte ich dir über meine Erfahrungen und Entscheidungen erzählen - vielleicht kannst du dir etwas für dich mitnehmen. Ich würde mich freuen. 

 

Ich bekam mein erstes Kind (Gabriel) vor fast 8 Jahren. Selbstverständlich plante ich zu Stillen. Ich hatte eine sehr romantische Vorstellung davon.... Alle 3-4 Stunden trinkt das Baby für 10-30 Minuten. Dazwischen strampelt und schläft es. Ab und zu würde es schreien, aber ich würde es immer lieb haben, ergo als seine Mama schnell beruhigen.

 

Wie oft im Leben kam es anders. Gabriel hat die ersten 6 Lebenswochen mit Schreien, an der Brust und auf mir oder meinem Mann schlafend/schreiend verbracht. (Osteopathie hat uns geholfen.) 

 

Mein Umfeld stand mit Rat zur Seite: "Der ist hungrig." "Buben haben immer Hunger, erst mit Flascherl sind sie glücklich und schlafen." "Gib ihm Tee, der ist durstig." 

 

Zusätzlich quälten mich wunde Brustwarzen, obwohl er richtig angelegt wurde. Jedes Mal, wenn die Milch einschoss, durchfuhr mich ein Schmerz und die Brüste taten sowieso immer weh. Wenn er doch einmal gut schlief, schlief ich nicht, weil die Brüste weh taten und trotz Stilleinlagen alles nass war... Und das alles nicht nur die ersten Wochen, sondern meine gesamte (kurze) Stillzeit. 

 

Dazu kam das Problem mit der Gewichtszunahme. Wöchentlich war es gerade einmal das Minimum. 

 

Trotz irrsinnig guter Hebammenbetreuung war ich nur gestresst und habe das Stillen nie genossen. 

 

Nach 4,5 Monaten wollte ich die Couch wieder verlassen und ertrug diesen Gewichtsstress sowie alles rundherum nicht mehr. 

 

Ich schämte mich so sehr aufzugeben. Ich hasste mich selbst dafür. Ich gab ein Flascherl. Gleich beim nächsten Stillen schrie Gabriel die Brust nur mehr an bis er sein Flascherl hatte. Von jetzt auf dann war abgestillt mit allen Konsequenzen (Brustentzündung etc...). Nach 3 Tagen war es geschafft. 

 

HEUTE weiß ich: Nicht Angehörige mit ihren Ratschlägen waren Schuld an meiner Unsicherheit. Die Unsicherheit war da und bot einen NÄHRBODEN für die ganzen Bemerkungen aus meinem Umfeld. 

 

HEUTE weiß ich: Gabriel hat sich nicht abgestillt, sondern ich wollte nicht mehr und konnte nicht zu dieser Entscheidung stehen... Er hat mir geholfen. 

 

ABER eigentlich war ich ab diesem Tag glücklich und viel entspannter. Bis heute hieß die Geschichte: Er wollte nicht mehr. Nur den Nachsatz habe ich verschwiegen: Ich auch nicht und ich war dankbar, dass er die Brust angeschrieen hat. 

 

22 Monate nach Gabriel kam Niklas zur Welt. Stillen wollte ich natürlich, könnte ja ganz anders sein. Tatsächlich nahm Niklas gut zu und schrie weniger. Allerdings trank auch er alle 2 Stunden (oft kürzere Abstände) für gut 45 Minuten. Das ließ sich fast vier Monate gut vereinbaren, aber dann war ich wieder komplett alleine mit beiden Kindern, nach einem Umzug in ein neues Haus... Auch hier kam der Punkt, an dem ich nicht mehr "nur stillen" konnte. Ich wollte zu Gabriel nicht mehr sagen "warte" und ich wollte wieder mehr machen als Kinder zu wickeln, einzuschläfern und mit Essen zu versorgen. Offiziell war es der Stress und die Situation, die mich zur Entscheidung "Flascherl" getrieben hatten. Es fiel mir diesmal auch deutlich schwerer abzustillen. Ich kämpfte 1 Woche bis Niklas überhaupt einmal das Flascherl trank. Innerhalb einer Woche hatte ich dann vollständig umgestellt... Es gab irgendwie keine Mischform für mich. 

 

Am Ende war ich zufrieden damit zu wissen, dass ich nach einer Flasche gut 3-4 Stunden Zeit hatte. Worauf ich bei beiden Kindern großen Wert gelegt hatte war ihnen das Flascherl trotzdem selbst im Arm haltend zu geben. Erst später hat auch mein Mann die eine oder andere Flasche übernommen. 

 

Schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem. Jeder nahm an, dass gerade ich, die Psychologin, lange stillen würde. Es war mir sehr unangenehm zugeben zu müssen, dass ich es "nicht geschafft" hatte. So erlebte ich es damals... 

 

Ja und vor einigen Wochen kam unser kleiner David. 

 

Im Vorfeld hatte ich mir vorgenommen, ganz entspannt zu sein. Ich war super vorbereitet auf die Zeit und machte mir keine Illusionen. Das habe ich bisher gut geschafft und es läuft alles ganz gut. Nur das Stillen/Angst ums Zunehmen/Thema Gewicht und meine große Unsicherheit diesbezüglich haben mich eingeholt... Wie heißt es: Alles, was du noch nicht verarbeitet hast, kommt immer wieder. 

 

David hatte die ersten drei Wochen unglaubliche Stuhlmengen und ich machte mir sofort Sorgen wegen dem Gewicht (zurecht). Er war total schläfrig die ersten Wochen und schaffte es kaum eine volle Minute zu trinken. Dann schlief er tief und fest. Nicht einmal Ausziehen und Wickeln konnten ihn wecken. Er schlief 20-30 Minuten und wollte dann wieder trinken... So ging es 24h. Er war nie munter u fröhlich, sondern immer müde und hungrig. Ich habe auf Anraten der Hebamme alle 10-20 Sekunden die Brust gewechselt. Es war total stressig, aber was tut man nicht alles. Alle Tipps für mehr Muttermilch kannte ich sowieso noch (Stilltee, Haferflocken, Grieß, Gerste, usw.). Zusätzlich musste ich ihm für einige Tage ein Flascherl anbieten. Zu meiner Freude hat er von den 2 Flaschen insgesamt nur 20-30ml pro Tag getrunken. Alles in allem wirkte und er hatte zugenommen, trinkt länger und ist mittlerweile auch fröhlich wach... Juhu! 

 

Ja und wir haben wieder voll gestillt. Sein Stuhl blieb ab diesem Zeitpunkt allerdings tagelang weg... Nur mehr alle 8 Tage. Das ist grundsätzlich normal bei Stillkindern, mir machte es Stress, weil beide Kinder zuvor mehrmals täglich Stuhl hatten. Dafür hat er begonnen Unmengen zu Brechen. Ich musste mich oft umziehen, genauso wie ihn. 

 

Dann kam die Mutterkindpass Untersuchung. Die Gewichtszunahme war wieder zu gering. Ich hatte dann mehrere Optionen. Eine, die Einfachste, war ein Flascherl am Tag zuzufüttern. 

 

Ich ging raus, war den Tränen nahe und ich sage einmal: VOLL IM DRAMA MODUS. Ich wollte allen sagen: Ich bin so arm, es ist einfach medizinisch, er hat Reflux und das Flascherl ist die einzige Option... Die anderen sind zu anstrengend mit 3 Kindern... 

 

Ich wollte betonen: Corona, Homeschooling, Mann weniger verfügbar als normal zur Unterstützung, Haushalt, usw... 

 

Ich wollte, dass mir niemand Vorwürfe machte. Das "außen" bestimmte ja, dass es nicht anders möglich war als ein Flascherl zu geben. Es half übrigens nicht, dass die Ärztin meinte: "Muttermilch ist zwar das Beste, aber ein Flascherl dazu ist nicht tragisch." Mein Drama-Versagens-Modus hörte nur ein mitleidiges"aber"... 

 

UND DANN KAM DIE WENDE IN MIR! 

ICH SAGTE STOPP!

ICH WAR SPAZIEREN UND SAGTE STOPP!

RAUS AUS DEM DRAMA MODUS - REIN IN MEIN HERZ ♥! 

 

Stimmt es, was ich mir da erzähle von wegen schlechte Mama... Von wegen das schaff ich nicht... Von wegen ich muss 4 Monate Stillen... Von wegen ich muss Stillen oder Abstillen? 

 

Gäbe es eine andere Option? 

Was will ICH wirklich? Ohne das, was gesellschaftlich "gut" ist... Wenn ich nicht glauben würde, alle denken ich "schaffe etwas nicht"... "ich bin keine Frau"... "ich hätte mich zu wenig bemüht"... "ich sei egoistisch"... 

 

Denke ich so über andere, die ein Flascherl geben? 

 

Und dann wurde es still... Ganz still... Ich wurde ruhig und merkte, dass ICH mich besser fühlen würde, wenn ich mir erlaube meinem Kind am Abend ein Flascherl mit Pre Nahrung (die Beste, die es meinen Recherchen nach gibt) gebe. Ich merkte, dass es für mich ok ist und ich merkte, dass ich deshalb trotzdem weiter stillen kann und möchte... Und ich merkte, dass es ok ist ein Flascherl zu geben... Dass es mir selbst egal ist, wie andere das machen und ich es total mutig fand, wenn andere dazu stehen nicht stillen zu wollen. Ich merkte wie offen ich selbst anderen ihren Weg zugestehe, aber mir nicht... 

 

ICH habe die Verantwortung übernommen und wurde Handlungsfähig! 

 

Und ich ging los. Seit 2 Wochen bekommt David abends ein Flascherl. Mittlerweile trinkt er oft fast das Ganze. Ich mache mir keine Gedanken übers Zunehmen mehr. Ich stille tagsüber und nachts mal öfter mal weniger und bin ruhiger... Er hat aufgehört Unmengen zu brechen und hat regelmäßig Stuhl... Ich bin zufrieden... 

 

Wie lange das Stillen für uns passt und wann das nächste Flascherl dazu kommt lasse ich vollkommen offen. Ich weiß jetzt, dass eine Mischung für mich (derzeit) supergut passt. .. Wenn es für uns beide passt mehr Flascherl zu trinken, werde ICH ES WISSEN. 

 

WAS WILL ICH DIR MIT MEINER GESCHICHTE SAGEN? 

 

BZGL. STILLEN:

Liebe Mamas! 

Muttermilch ist super! Keine Frage. 

Flascherl ist ganz genauso super! 

UND mischen ist auch ok! Alles was dir das Leben leicht macht! Die Zeit mit Baby ist anstrengend genug :)... So schön sie auch ist. 

 

Ich kenne Stillkinder, die oft krank sind und Allergien haben genauso wie Flaschenkinder, die kaum krank sind und keine Allergien haben. 

 

Es kommt auf mehr an als Muttermilch! Wenn du als Mama dich stillend wohl fühlst ist es bestimmt das Beste für euch. Wenn du dich aber stillend gestresst fühlst, dann ist das Flascherl genauso eine tolle Option!

 

Pre Nahrung ist ähnlich wie Muttermilch. Ich spreche hier nicht aus einer medizinischen Perspektive! Und ich spreche nicht von irgendwelchen länger satt Produkten! Aber selbst wenn du dich für diese entscheidest, damit du eventuell mehr Schlaf am Stück bekommst und damit tagsüber mehr Energie für deinen Schatz hast ist es total in Ordnung! 

 

Du als Mama musst schauen dass es dir gut geht. Für mich war der Vergleich mit dem Flugzeug sehr heilsam, deshalb teile ich ihn an dieser Stelle: Wenn das Flugzeug abstürzt, musst du zuerst dir die Sauerstoffmaske aufsetzen und dann erst dem Kind! 

 

Schau auf dich, dann kannst du auch für jemand anderen gut dasein! Und das gilt eben auch beim Thema Stillen. 

 

Geh in dich und schau was für DICH UND DEIN Baby gut passt. Erlaube dir in deiner Kraft zu sein. Hinterfrage, wenn du dich für irgendwas schämst oder verurteilst oder dir nicht die volle Wahrheit sagen traust... Dann passt etwas nicht! Das muss nicht sein! Stimmt es wirklich was du von dir glaubst? 

 

Richtig oder falsch gibt es nicht! 

 

Egal ob du stillst oder nicht, du kannst IMMER STOLZ auf dich als Mama sein! Du bist trotzdem liebenswert! Du machst vielleicht dafür mehr Haushalt als jemand der stillt, weil du mehr Zeit dafür hast und vielleicht brauchst du genau dass... Eine saubere Wohnung zum Entspannen und Erholen in der stressigen, chaotischen Zeit mit Baby...oder du magst Malen, weil es dir Kraft gibt... Wie immer: Du bist tolll! 

 

Und noch ein Tipp: Tausch dich mit einer Vertrauensperson aus... Besprich Ängste und Bedenken ganz offen und ehrlich...das kann dich unterstützen deine "Bullshit" Gedanken zu finden und zu entkräften und authentisch und ehrlich bei DIR anzukommen und in Frieden mit DIR zu sein. 

 

Alles Gute! Bei Fragen melde dich jederzeit.