Heute möchte ich euch ein paar Gedanken mitgeben zum Thema Kaiserschnitt versus Spontangeburt. Es betrifft mich zwar nicht persönlich, aber ich kenne viele, die einen Kaiserschnitt hatten und sich dafür schämen oder es mir gegenüber so ausdrücken: "Ich habe es nie geschafft ein Kind natürlich zu bekommen." Sogar Frauen, die einen Wunschkaiserschnitt hatten schämen sich, weil sie es nicht anders "geschafft" haben. Es hadern auch Frauen mit dem Kaiserschnitt, deren Kinder in Beckenendlage waren.

 

Vielleicht kann ich der einen oder anderen Mama ihre Scham ein Stück nehmen und einen neuen Blickwinkel eröffnen. Das wäre total schön... 

 

Ich finde in der oberen Aussage mit dem "keine natürliche Geburt geschafft zu haben" steckt wieder dieses: "natürlich"... Es ist das natürlichste der Welt. Als Frau muss man das quasi können - muss man es schaffen. Klingeln da die Parallelen zum Thema "Stillen" (hier geht es zu meinem Artikel: STILLEN - entscheide für DICH!) ? Bei mir schon... 

 

Und in mir steigt sogar ein bisschen Wut auf. Natürlich ist relativ! Als es die Möglichkeit des Kaiserschnittes nicht gab, sind viele Mütter und/oder Babys einfach bei der Geburt gestorben oder die Babys waren schwer behindert. Natürliche Geburten haben bei Frauen oft schwerste Traumen hinterlassen! Ist es da nicht besser die medizinischen Möglichkeiten zu nutzen? Bevor ich schon total angstbesetzt in die Geburt gehe, ist es nicht sinnvoller eine schöne Kaiserschnitt-Geburt zu wählen? Es ist doch mein gutes Recht über MEINEN Körper selbst zu entscheiden, oder? 

 

Würde irgendjemand darüber nachdenken, ob man die medizinischen Möglichkeiten nützt, wenn jemand gegen einen Grippevirus oder Krebs nicht quasi selber ankämpfen kann. Entschuldigt den drastischen Vergleich, aber es ist so! Das natürlichste der Welt wäre: entweder man kommt mit einem Virus oder einer anderen Erkrankung zurecht oder man stirbt eben. 

 

Man nutzt immer alle Möglichkeiten, die man hat um Risiken zu minimieren und um Leben zu retten. DAS IST DAS NATÜRLICHSTE DER WELT! 

 

Ich finde es unglaublich schade, dass Frauen oft so belastet sind von ihren Selbstzweifeln und dem Vergleich mit anderen Frauen. Egal, ob bei Schwangerschaften, Geburt, Stillen, Körperstatur, usw. 

 

Du kannst dich NIE mit jemand anderem vergleichen, weil DU, JA DU, ein Individuum bist. Du hast DEIN Schmerzerleben. Du hast DEINEN Körper und der ist voll toll! 

 

Immerhin bist du nach fast 10 Monaten Schwangerschaft 🤰 bei der Geburt angekommen. Alleine das ist eine Megaleistung! Da darfst du dich als Heldin feiern! Selbst, wenn du eine schöne Schwangerschaft hattest, ich kenne niemanden, bei dem es nicht auch zumindest zeitweise mühsam war... Übelkeit, Müdigkeit, körperliche Veränderungen verarbeiten, Rückenschmerzen, nur sehr eingeschränkt Medikamente nehmen zu können, immer im Hinterkopf zu haben, dass man jemand anderen mitstresst, wenn man selbst nicht gut auf sich achtet, Pilze, psychische Herausforderungen, Ängste, uswusw... Die Liste ist unendlich lang! 

 

Ja und dann muss man das Kind bekommen 😱! Und es ist vollkommen egal wie! Eine Geburt ist IMMER eine körperliche Herausforderung. Ich muss sogar gestehen, ich ziehe den Hut vor allen, die sich für einen Kaiserschnitt entschieden haben und vor allen die wussten, dass sie einen haben werden! Ich meinerseits hatte immer Angst davor, dass sie den Bauch aufschneiden und vor allem vor den Schmerzen danach. Sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden erfordert auch MUT! 

 

Und alle Frauen, die überraschend einen Kaiserschnitt hatten sind besonders zu bewundern: diese Frauen hatten überwiegend bereits Wehen und die Geburt war schon in vollem Gange... Der Körper war durch stunden- oder tagelangen Wehen gefordert UND DANN kommt noch eine OP dazu! Unglaublich was man da leisten muss und was ihr da GESCHAFFT HABT! 

 

Als Sponatagebärende ist ja eigentlich nach der Geburt alles vorbei. Außer man hat Geburtsverletzungen, die Heilung dieser kann auch dauern (hatte ich beim ersten Kind) und einmal abgesehen von den Nachwehen, die aber erst von Kind zu Kind mehr werden 🥴... 

 

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass auch Männer, die ihre Frauen zur Geburt begleiten auf ihre Weise Helden sind. Ich glaube es ist eine große Herausforderung einen Menschen, den man liebt, so leiden zu sehen und eigentlich nichts tun zu können! 

 

Ja und wenn das Baby dann da ist - egal ob Spontangeburt oder Kaiserschnitt - geht das Heldinnen Dasein weiter! Das Kind gehört versorgt: Tag UND Nacht! 

 

Deshalb - liebe Frauen! 

Seid stolz auf euch! 

Egal wie euer Wunder Geburt ablief - ihr seid wundervoll! Ihr habt Unmenschliches geschafft in beiden Fällen! 

 

Aus Erfahrung weiß ich, mein Artikel kann nur eine Gedankenanregung sein und fühlt sich (hoffentlich zumindest kurzfristig) gut an. Bearbeiten musst du das Thema natürlich trotzdem, damit du den Stolz tief in dir spüren kannst und deine Scham wirklich loslassen kannst. 

 

Dafür ist es wichtig herauszufinden, was du dir an "Bullshit" erzählst. Warum schämst du dich so? Warum findest du, etwas nicht geschafft zu haben? Was hättest du schaffen sollen? 

 

Dann frag dich: Ist das wirklich wahr, was ich mir da erzähle? Könnte es auch anders sein? Wie fühlt es sich an, wenn ich das von mir/der Situation/meiner Geburt denke? Könnte ich anders davon denken? Wie fühle ich mich, wenn ich anders davon denke? Gibt es etwas Gutes an der Situation wie sie war? Ist es vielleicht so, wie es war für MICH, TIEF IN MIR, in Ordnung und ich fühle mich nur schlecht, weil es gesellschaftlich vielleicht nicht gut geheißen wird oder in meiner Familie als "schwach" / "nicht richtig" angesehen wird? 

 

Auch hier meine Empfehlung: Mach es schriftlich und/oder tausche dich mit einer Vertrauensperson aus. Diese kann dir helfen die vernichtenden Gedanken zu finden und vielleicht zu entkräften... Professionell kann sie dir helfen zu DEINER neuen Wahrheit zu finden. 

Alles Liebe wünsche ich dir und dass du den Stolz auf dich von innen heraus fühlen kannst.