Heute möchte ich mich wieder einem sehr schambesetzten Thema zuwenden. 

Wieder so ein: es ist die natürlichste Sache der Welt schwanger zu werden - FRAU kann sowas oder ist eben nicht "gut genug"... 

(Fast) jeder kennt die Zahl derer, die im ersten Trimester (bis zur 13.SSW) das Baby verlieren. Es sind 30 bis 70 Prozent - für alle, die es nicht wissen. Das Risiko sinkt mit dem Herzschlag und jedem weiteren Tag... 

Die Zahl derer, die sich ein Baby wünschen und bei denen es gar nicht zum positiven Test kommt, ist übrigens auch erschreckend hoch! 

 

Und trotzdem schämt sich (fast) jede Frau oder (fast) jedes Paar dafür. 

Und trotzdem reden die wenigsten darüber. 

Und trotzdem fühlt man sich unendlich allein, wenn "es" einen trifft. 

Und trotzdem sieht man rundherum die perfekten Familien mit Kindern - KAUM JEMAND würde offen und selbstverständlich "zugeben"/darüber sprechen, dass es vielleicht auch ein längerer Weg zur Familie war... Spielt es doch keine Rolle mehr... 

 

Doch genau das stimmt nicht! ES SPIELT EINE ROLLE! Es spielt eine Rolle für die Frau / das Paar, die es gerade erleben und sich "schämen"... "Schämen" für das natürlichste der Welt (wenn man sich die Zahl ansieht!), dass es eben nicht (gleich) klappt. 

 

Ich habe heute drei Kinder! Ich bin unglaublich DANKBAR dafür! Zugegeben, die ersten zwei waren kein Problem... Ich wollte sie und es hat sofort funktioniert. Ich wusste gar nicht wie glücklich ich mich schätzen konnte - dafür schäme ich mich heute! 

 

Durch einen dummen Zufall wurde ich ein drittes Mal schwanger... Ich war überrascht, habe mich aber dann gefreut - es war nicht geplant, aber was gibt es Schöneres? 

 

Dann begann eine Odyssee!

Erster Termin: Fruchthöhle... Aber 5te Woche sollte ich mir keine Sorgen machen... Der Blick des Arztes verriet mir etwas anderes...2 Wochen später sollte ich wieder kommen.

Meine typischen Anzeichen begannen: Übelkeit und Erbrechen...

Zweiter Termin: Fruchthöhle definitiv leer... Ich sollte ins Krankenhaus, dort würde ich weiter versorgt...

Im Krankenhaus bekam ich eine Tablette zur Abstoßung... Leider ging nicht alles ab...

Zwei Wochen später wieder eine Tablette...

Weitere zwei Wochen hatte ich starke Blutungen...

Wieder ins Krankenhaus. Ich sollte eine dritte Tablette bekommen und über Nacht bleiben. Wenn nicht "viel" abgeht, sollte eine Kürretage gemacht werden... Es ging viel ab und ich wurde heim geschickt.

Weitere drei Wochen starke Blutungen... Kreislauf Kollaps... Wieder ins Krankenhaus und Kürretage Termin für den nächsten Tag. 

 

Abgesehen von der psychischen Belastung kam eine erheblikörperliche Belastung hinzu! 

 

Trotzdem war der Wunsch nach einem dritten Kind jetzt da. Es dauerte allerdings ein ganzes Jahr, bis ich mich wieder "traute" und bereit fühlte. Hut ab vor allen, die nach so etwas "weiter" machen. 

 

Wieder war es eine leere Fruchthöhle, ein Windei... Diesmal bestand ich sofort auf eine Kürretage. Damit war die körperliche Belastung wenigstens gering... 

 

Aber psychisch war es wieder heftig... Ich war traurig... Ich war enttäuscht... Ich fühlte mich wie eine Versagerin... Ich schämte mich... Ich glaubte allein zu sein... Quasi die einzige "Versagerin"... Ich beschloss mit meinem Erlebnis offen umzugehen, damit sich andere NIE alleine fühlen müssen. Erstaunlicherweise führte meine Offenheit dazu, dass ich viele mit gleichen oder ähnlichen Erlebnissen kennenlernte. 

 

Es dauerte übrigens wieder über ein Jahr bis ich bzw. wir uns noch einmal bewusst mit dem Wunsch nach einem dritten Kind auseinander setzten. Es war bei uns beiden der deutliche Wunsch da und die Entscheidung: Einmal versuchen wir es noch... Jetzt haben wir unseren kleinen David 😍... 

 

Liebe Frauen und Paare da draußen mit Kinderwunsch, nach Fehlgeburten... 

 

Ihr habt NICHTS FALSCH GEMACHT! GAR NICHTS! Ihr seid nicht alleine! 

 

Und egal was irgendwer sagt oder ihr lest: Angst, Anspannung, Stress, Druck, usw. SIND DA UND NORMAL UND OK. Sie dürfen da sein und trotzdem kann ein Baby kommen... Ihr habt keine Schuld! Und zum Schämen gibts gar nichts! Und der Tipp - Stress behindert das schwanger werden ist nett gemeint, aber nicht immer umsetzbar... Ich glaube ich war die hysterischste Schwangere in den ersten 13 Wochen, die es gibt und David ist da! 

 

Wie immer bin ich übrigens fest davon überzeugt: darüber reden hilft! Erfahrungen teilen hilft! Und wenn du (noch) nicht bereit bist, es mit Freunden zu teilen, such dir professionelle Hilfe... Oft reicht ein Gespräch aus um den Schmerz zu minimieren! 

 

Alles Gute 🍀!