„Warum bist du depressiv? Dein Leben ist doch super, sieh doch, was du hast und nicht, was du nicht hast.“

IST DAS GLEICHE WIE:

„Warum hast du Asthma? Hier ist doch Luft genug zum Atmen. Atme doch einfach.“

 

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sind eine ernstzunehmendepsychische Krankheit, die das gesamte Wohlbefinden und die Lebensqualität des betroffenen Menschen stark beeinträchtigt und behandelt werden muss. Ungefähr 20% aller Menschen erkranken einmal im Leben an einer Depression, wobei die Erkrankung bei Frauen doppelt so häufig diagnostiziert wird wie bei Männern.

 

Wie zeigen sich Depressionen?

 

Depressionen zeigen sich auf verschiedenen Ebenen und beeinträchtigen das Leben in vielfältiger Art und Weise. Ganz wichtig ist, dass Männer und Frauen sich in ihren Symptomen stark unterscheiden.

 

Allgemeine Befindlichkeitsstörungen:

  • Traurige Grundstimmung
  • Antriebsschwäche bzw. Antriebslosigkeit
  • Grübeln bzw. ständiges Nachdenken
  • Energielosigkeit bzw. Erschöpfung und Müdigkeit
  • Lustlosigkeit bzw. Verlust von Interessen
  • Konzentrationsschwäche
  • Schuldgefühle
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Hoffnungslosigkeit
  • Sozialer Rückzug bis zur Isolation
  • Selbstmordgedanken

 

Körperliche Symptome:

  • Ständige Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafstörungen (Einschlaf-, Durchschlafstörungen oder frühes Erwachen)
  • Veränderungen im Appetit (ständiger Hunger, Appetitverlust) – dadurch Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Nachlassen des sexuellen Verlangens
  • Innere Unruhe
  • Magen-/Darmstörungen (Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Schmerzen, etc.)
  • Schmerzen (Kopf-, Nacken-, Kreuzschmerzen, Schmerzen in Armen und/oder Beinen)

 

Männer zeigen häufig unter anderem auch folgende Symptome:

  • Unzufriedenheit mit nahezu allem und jedem
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Unangemessene Wut- und Aggressionsausbrüche
  • Übermäßiger Alkoholkonsum

 

Ein oder mehrere Symptome zu zeigen bedeutet noch nicht, an einer Depression erkrankt zu sein. Ich traue mir zu sagen, dass jeder Mensch schon einmal gedrückte Stimmung, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder auch Mutlosigkeit und Verzweiflung kennengelernt und erlebt hat. Bei einer Depression bestehen die Symptome allerdings über einen längeren Zeitraum, sind deutlich ausgeprägter und gehen von alleine nicht weg. Außerdem sind sie nicht durch Anstrengung oder Willenskraft zu verändern. Also bitte niemals zu jemandem sagen: „Reiß dich zusammen. Ich habe auch meine depressiven Phasen.“

 

Was sind die Ursachen für Depressionen?

 

Meistens sind soziale, psychische und biologische Faktoren an der Entstehung bzw. am Auslösen der Erkrankung beteiligt.

 

Äußere/Soziale Faktoren wären beispielsweise: Trennung, Verlust einer nahestehenden Person, Arbeitslosigkeit, Stress und Überlastung.

 

Psychische Auslöser bzw. Mitverursacher sind schwere seelische Kränkungen und negative Gedankenmuster.

 

Biologischer Faktor ist vor allem die genetische Komponente. Depressionen haben ein hohes Vererbungsrisiko für Nachkommen von depressiven Elternteilen. Wenn ein Elternteil erkrankt ist es daher zu empfehlen auch die Kinder zumindest eine Zeit lang psychologisch betreuen zu lassen bzw. generell eine Familienberatung anzudenken.

 

Als weiterer biologischer Faktor werden biochemische Veränderungen im Gehirn beobachtet. Es herrscht meistens ein Mangel an so genannten „Botenstoffen“ (Neurotransmittern) vor. Diese „Botenstoffe“ ermöglichen den Informationsaustausch zwischen Gehirnzellen und werden bei depressiven Menschen nicht ausreichend hergestellt. Wichtige Botenstoffe sind in diesem Zusammenhang Serotonin und Noradrenalin. Mit einem nährstoffreichen Essverhalten kann man die Behandlung von Depressionen übrigens zusätzlich unterstützen.

 

Wie werden Depressionen behandelt und wie sind die Heilungschancen?

 

Depressionen sind heutzutage SEHR gut behandelbar. Am wirksamsten ist eine Kombination aus klinisch-psychologischer Intervention und medikamentöser Therapie. Nicht immer ist eine medikamentöse Therapie notwendig, allerdings ist oft eine psychologische Behandlung ohne Medikamente gar nicht möglich. Antidepressiva sind sehr gut verträglich und haben kein Suchtpotential. Wichtig ist allerdings die Verschreibung von einem Facharzt und eine regelmäßige Einnahme über einen vorgeschriebenen Zeitraum. Antidepressiva entfalten ihre Wirkung erst nach 2-4 Wochen. Anfängliche Nebenwirkungen müssen mit dem/der behandelnden Arzt/Ärztin besprochen werden. In keinem Fall sollte man Medikamente auf eigene Faust absetzen oder die Dosis verändern.

 

Was können Sie nun tun, wenn Sie glauben eine Depression zu haben?

  • Überfordern Sie sich nicht! Tun Sie so viel wie möglich und seien Sie stolz auf sich!
  • Vermeiden Sie so gut wie möglich den Rückzug von Familien, Freunden und nahestehenden Personen!
  • Vermeiden Sie Alkohol und Drogen jeglicher Art! Sie helfen nur kurzfristig und dämpfen die Symptome. Auf die Dauer schaffen sie allerdings neue Probleme.
  • Wenn möglich, versuchen Sie etwas zu unternehmen, das Ihnen vor Ihrer Erkrankung Spaß gemacht hat. Es macht Ihnen vielleicht nicht beim ersten Mal Spaß, aber Sie erleben immer wieder Positives und mit der Zeit kommt die Freude zurück.
  • Informieren Sie sich über Ihre Erkrankung!
  • Überaus wirksam in der Behandlung von Depressionen hat sich Achtsamkeit gezeigt. Darüber lesen Sie hier.
  • Suchen Sie sich professionelle Hilfe!!! Hilfe annehmen ist in diesem Fall eine große Stärke! Hut ab, wenn Sie den Schritt tun.

 

Was können Sie tun, wenn eine nahestehende Person an Depressionen leidet?

  • Bemerken Sie, dass eine nahestehende Person an Depressionen leidet, ermutigen Sie diese, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!
  • SUCHEN SIE SICH HILFE und Beistand! Angehöriger von jemandem mit einer psychischen Erkrankung zu sein ist sehr schwierig und kostet viel Kraft/Energie. Holen Sie sich Hilfe bei Ihrer Familie und bei Freunden! Gehen Sie Hobbys nach, treffen Sie Freunde und besuchen Sie vielleicht sogar eine Selbsthilfegruppe!
  • NEHMEN SIE professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Ihnen die Person sehr nahe steht!
  • Machen Sie Betroffenen klar: Depression ist keine Charaktereigenschaft! Depression ist nicht Ihre Schuld, sondern eine behandelbare Krankheit.
  • Begleiten Sie Betroffene zum Arzt, wenn diese es nicht alleine schaffen!
  • Informieren Sie sich über die Erkrankung!
  • Klären Sie die Kinder EHRLICH und ALTERSGERECHT auf. Suchen Sie sich eventuell auch psychologische Unterstützung für die Kinder oder für Sie als ganze Familie! Betonen Sie immer, dass Depressionen gut behandelbar sind!
  • Motivieren Sie Betroffene in der Zeit ihrer Behandlung – UND NUR DANN!!! Ihre Hilfe darf nicht über Jahre/Jahrzehnte gehen und Sie selber ruinieren. Helfen Sie Betroffenen beim Bewältigen des Alltags, Einhalten von Arztterminen und der Einnahme von Medikamenten! Versuchen Sie der Negativität entgegenzuwirken und ihn abzulenken mit Unternehmungen und Veranstaltungsbesuchen. Aber noch einmal: Depressionen sind gut behandelbar und Ihre Motivation und Unterstützung ist keine Dauerlösung! Ziel ist, dass Betroffene wieder selber ins Leben zurückfinden.
  • Machen Sie Betroffenen keine Vorwürfe. Dem Betroffenen fehlt nicht der Wille wieder gesund zu werden, sondern ihre Negativität und Antriebslosigkeit sind Symptome der Erkrankung.
  • Nehmen Sie Selbstmorddrohungen ernst! Veranlassen Sie umgehend eine Behandlung!

 

ZUM ABSCHLUSS:

In Zusammenhang mit Depression ist es immer gut sich Hilfe zu holen! Es ist möglich die Lebensqualität zurück zu erlangen und das Leben wieder zu genießen. Schauen Sie auf Ihren Körper und Ihre Psyche – nährstoffreiches Essen, Psychohygiene und Bewegung helfen!

 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich! Ich freue mich auch über Kommentare :).

 

Nährstoffreiches Essen kann Ihnen vielleicht helfen. Lesen Sie dazu den Artikel über "Ernährung nach TCM". Eine kleine Unterstützung bei leichten Stimmungstiefs könnte auch der Artikel "Energie erhöhen und Gefühle ausgleichen" sein. Genießen ist sehr wichtig gegen ein Stimmungstief - Ideen, wie man genießen kann finden Sie hier. Lächeln zum Fröhlichsein ;) kann ein erster Versuch sein um bessere Laune zu bekommen.

Vielleicht fehlen Ihnen auch Vitamine oder Mineralstoffe. Lesen Sie mehr darüber hier.

Mehr über eine ganzheitliche Behandlung finden Sie hier: Mind Body Medizin - Was ist das?

 

Interessante Literatur:

Depressionen überwinden: Niemals aufgeben“ von Günter Niklewski

Als meine Seele dunkel wurde: Geschichte einer Depression“ von Merle Leonhardt