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Was ist Gesundheit wirklich?

  • Autorenbild: Alexandra Lang
    Alexandra Lang
  • 15. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Unterhalb findest du den Text in einem Video vertont. :)


Ein gesundheitspsychologischer Blick auf Körper, Psyche und Wohlbefinden


Was bedeutet es eigentlich, gesund zu sein?


Diese Frage scheint auf den ersten Blick einfach – und wird doch schnell komplex, wenn wir genauer hinschauen. Oft glauben wir, Gesundheit bedeute vor allem das Fehlen von Krankheit. Doch so einfach ist es nicht.


Manche Menschen fühlen sich bereits bei einem Schnupfen krank. Andere haben eine deutliche Erkältung und würden sich dennoch als gesund bezeichnen. Dazu kommen psychische Zustände wie Ängste oder anhaltende Traurigkeit: Bin ich körperlich gesund, aber psychisch nicht – bin ich dann gesund?


Gesundheit ist also eine sehr komplexe Frage.


Eine bekannte Annäherung an dieses Thema ist die Definition der WHO, die mich seit vielen Jahren begleitet, weil ich versuche, sie wirklich zu verstehen und zu greifen:

„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen.“

Gesundheit ist kein Entweder-oder, sondern ein Kontinuum


Gesundheit ist kein fixer Zustand, den man entweder erreicht hat oder nicht. Sie ist vielmehr ein Kontinuum, auf dem wir uns ständig bewegen.


Wir können uns körperlich weitgehend gesund fühlen und uns dennoch innerlich erschöpft, angespannt oder unwohl erleben. Ebenso können alle medizinischen Befunde unauffällig sein – sämtliche Laborwerte, Hormone und Parameter im Normbereich – und trotzdem können massive Angstzustände oder innere Unruhe bestehen.


Genauso ist es möglich, eine medizinisch diagnostizierte Erkrankung zu haben und sich dennoch psychisch stabil, verbunden und lebendig zu fühlen.


Gesundheit und Krankheit schließen einander nicht gegenseitig aus. Sie können gleichzeitig vorhanden sein.


Wenn der Körper „gesund“ ist, sich aber nicht gesund anfühlt


In meiner Praxis begegne ich häufig Menschen, deren medizinische Befunde weitgehend unauffällig sind – und die sich dennoch nicht wohl in ihrem Körper fühlen. Sie leiden unter Symptomen wie:

  • anhaltender Erschöpfung

  • Magen-Darm-Beschwerden

  • Kopfschmerzen oder Migräne

  • Muskelverspannungen

  • unerfülltem Kinderwunsch


Solche Beschwerden werden häufig als psychosomatisch bezeichnet. Früher wurde das oft mit „eingebildet“ oder „hypochondrisch“ gleichgesetzt. Heute wissen wir: Das entspricht nicht der Realität.

Psychosomatische Beschwerden entstehen, wenn psychische Belastungen, Stress, innere Konflikte oder unverarbeitete Emotionen sich über den Körper ausdrücken. Der Körper wird dabei zu einer Art Sprachrohr der Psyche.


Ein dauerhaft überlastetes System – also ein überforderter Umgang mit Stress, ein dysreguliertes Nervensystem, hormonelle Belastungen oder ungelöste emotionale Themen – beeinflusst körperliche Prozesse und kann reale, spürbare Symptome verursachen.


Wenn der Körper gesund ist, die Psyche aber leidet


Es kann ebenso sein, dass der Körper medizinisch gesund ist, man sich psychisch jedoch nicht wohl fühlt. Gemeint sind beispielsweise Menschen mit:

  • starken Ängsten

  • anhaltender Traurigkeit

  • Konflikten oder Belastungen in Beziehungen

  • Aggressions- oder Impulsproblemen


Diese Beschwerden werden glücklicherweise heute zunehmend ernst genommen. Auch hier spielt häufig ein überlastetes System eine zentrale Rolle.


Was wählt dein System – körperliche oder psychische Symptome?


Ob sich Belastungen eher körperlich oder psychisch zeigen, ist sehr individuell. In den meisten Fällen treten beide Ebenen gleichzeitig auf. Welche Symptome jedoch besonders dominant werden und uns „in die Knie zwingen“, hängt von vielen Faktoren ab.


In manchen Familien oder Lebenskontexten ist es beispielsweise nur dann erlaubt, stehenzubleiben oder Hilfe zu bekommen, wenn man körperlich nicht mehr kann. In solchen Fällen findet das System oft einen körperlichen Ausdruck.


In anderen Kontexten ist es möglich, sich zurückzuziehen, weil es einem psychisch schlecht geht – dann darf auch diese Ebene sichtbar werden.


Der Körper wählt dabei nicht bewusst, sondern immer den Weg, der im jeweiligen Umfeld möglich ist.


Wenn Krankheit da ist – und dennoch Wohlbefinden


Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass es auch Menschen gibt, die klare medizinische Diagnosen haben und sich dennoch psychisch wohl und stabil fühlen.


Ich erlebe Menschen mit Bluthochdruck, hormonellen Dysbalancen, chronischen Erkrankungen, Myomen oder Eisenmangel, die sich kraftvoll, verbunden und zufrieden erleben.


Offenbar haben sie Wege gefunden, gut mit ihrem Körper umzugehen, ihn zu unterstützen und sich nicht ausschließlich über ihre Diagnose zu definieren. Sie erleben Sinn, Freude und innere Ruhe – trotz körperlicher Einschränkungen.


Mein Bild vom Stuhl der Gesundheit


Vor einigen Jahren habe ich das Bild eines Stuhls mit vier Stuhlbeinen entwickelt, um Gesundheit verständlich zu machen.


Die vier Stuhlbeine stehen für:

  • psychische Gesundheit

  • Ernährung

  • Bewegung

  • soziales Umfeld


Die Sitzfläche verbindet alles miteinander.


Wenn ein Stuhlbein schwächer ist, die anderen jedoch stabil sind, kann der Stuhl trotzdem noch gut stehen. Wenn ich mich ausgewogen ernähre, mich regelmäßig bewege, ein tragendes soziales Umfeld habe und psychisch relativ ausgeglichen bin, dann kann ein hormonelles Ungleichgewicht möglicherweise gut kompensiert werden.


Geht es mir jedoch psychisch schlecht, leidet häufig auch die Bewegung, die Ernährung und das soziale Leben – und dann kann das gesamte System instabil werden.


Dieses Bild begleitet mich bis heute, weil es für mich das Zusammenspiel von Körper und Psyche auf allen Ebenen verdeutlicht.


Körperliche und psychische Stabilität gehören zusammen


Körperliche Stabilität bedeutet für mich:

  • eine nährstoffreiche, ausgewogene Ernährung

  • ausreichend Bewegung

  • gezielte Nahrungsergänzung bei Mängeln

  • Prävention von Wohlstandserkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Entzündungsprozessen

  • eine bessere Stressregulation


Psychisches Wohlbefinden umfasst:

  • soziale Verbundenheit und Co-Regulation

  • emotionale Stabilität

  • innere Sicherheit


Psychische Gesundheit heißt nicht, sich immer gut zu fühlen


Psychische Gesundheit bedeutet für mich nicht, dauerhaft glücklich oder entspannt zu sein.


Sie bedeutet vielmehr:

  • Gefühle wahrnehmen zu können – auch die unangenehmen

  • Emotionen nicht zu verdrängen, sondern zu verstehen

  • innere Spannungen regulieren zu lernen

  • sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen


Ein gut versorgter Körper stärkt unsere psychische Widerstandskraft. Eine regulierte Psyche wirkt sich positiv auf körperliche Prozesse aus.


Beides bedingt einander – ständig.


Meine Haltung in der Arbeit mit Menschen


Die Quintessenz meiner Arbeit lässt sich so zusammenfassen:


Ich schaue immer auf den ganzen Menschen.


Auf Körper und Psyche. Auf Symptome und ihre mögliche Bedeutung. Auf medizinische Grundlagen ebenso wie auf das subjektive Erleben.


Mir ist wichtig, dass Menschen:

  • ihren Körper besser verstehen und unterstützen

  • sich in ihrem Körper wohler fühlen

  • mehr Energie und Stabilität im Alltag erleben

  • einen gesunden Umgang mit Stress und Emotionen entwickeln


Gesundheit entsteht dort, wo Körper und Psyche gemeinsam betrachtet werden – nicht statisch, sondern lebendig, individuell und im ständigen Wandel.


Abschließende Gedanken

Gesundheit ist kein Idealzustand, den es dauerhaft zu erreichen gilt. Sie ist ein Prozess. Eine Beziehung zu uns selbst.


Und manchmal beginnt sie genau dort, wo wir anfangen, genauer hinzuhören – auf unseren Körper, unsere Gefühle und unsere Bedürfnisse.


Beides darf da sein. Beides darf gesehen werden.



 
 
 

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