Soll ich jetzt nur Aushalten?
- Alexandra Lang

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Was tun bei Schmerzen, Reizdarm, Panik oder Ängsten?
In meinem letzten Artikel habe ich beschrieben, dass Gesundheit nicht perfekt erzeugt werden kann. Dass nicht alles lösbar ist. Dass wir nicht alles regulieren oder kontrollieren können.
Dazu habe ich Rückmeldungen bekommen wie:
„Okay… und jetzt? Soll ich einfach alles aushalten?“
Genau das möchte ich hier greifbarer machen. Denn Aushalten heißt nicht, untätig zu sein. Es bedeutet nicht, Symptome zu ignorieren oder sich selbst zu überlassen. Es bedeutet, Handlung und Akzeptanz miteinander zu verbinden – so, dass wir im Leben bleiben, ohne uns selbst zu verlieren.
1. Wahrnehmen, statt sofort verändern
Oft reagieren wir auf Symptome wie Schmerzen, Schwindel, Reizdarm oder Panikattacken mit:
„Das muss sofort weg!“
Diese Haltung erzeugt zusätzlichen Druck. Das Nervensystem bleibt alarmiert, Stress steigt, Beschwerden verschärfen sich oft sogar.
Der Knackpunkt liegt genau darin: der Druck, dass es weggehen muss oder dass danach nichts anderes passieren darf. Das ist leider nicht zielführend.
Ein erster Schritt kann sein: Wahrnehmen.
Benenne das Symptom neutral: „Mein Magen zieht sich zusammen.“ „Mein Herz rast.“
Fühle die Intensität, ohne sofort zu bewerten: „Es ist schlimm“ oder „Es ist unaushaltbar.“
Erlaube dir dann: „Es ist da – und ich kann etwas tun.“
Wahrnehmen schafft Distanz und Kontakt zugleich – es ist kein passives Hinnehmen, sondern ein aktiver erster Schritt.
2. Kleine, gezielte Handlungen
Aushalten heißt nicht Passivität. Es bedeutet sanfte Interventionen statt panischer Lösungen.
Beispiele:
Bewegung: kleine Spaziergänge, sanftes Dehnen oder Mobilisieren
Atmung: kurze Pausen, bewusstes Ausatmen, um das Nervensystem zu beruhigen
Alltag: Prioritäten setzen, Aufgaben verschieben, Zeit für Regeneration einplanen
Professionelle Unterstützung: Physiotherapie, Therapie, ärztliche Abklärung, Ernährungsberatung
Es geht nicht um maximale Optimierung, sondern um tragfähige Schritte, die den Stuhl stabil halten – Körper, Psyche, soziales Umfeld und Ernährung im Blick.
3. Beziehung zum Körper pflegen
Dein Körper ist nicht der Gegner, auch wenn er Schmerzen, Unruhe oder Panik zeigt.
Sprich mit dir selbst wie mit einem Kind: „Ich sehe, dass es weh tut. Ich bin da. Wir schaffen das Schritt für Schritt.“
Kleine Zuwendungen sind oft kraftvoller als der Versuch, alles sofort zu kontrollieren.
4. Akzeptanz vs. Resignation
Akzeptanz heißt nicht: „Es ist egal, dass es weh tut.“
Es heißt: „Ich erkenne die Realität an und handle trotzdem.“
Beispiel:
Schmerzen, Schwindel oder Reizdarm treten auf, und die Angst steigt, dass es schlimmer wird.
Statt panisch zu reagieren oder alles zu meiden oder 100 Strategien anzuwenden: beobachte das Symptom, überlege ruhig, was sinnvoll ist – Arzt? Physio? Ruhe? Schonkost?
Du handelst – und akzeptierst gleichzeitig, dass es immer wieder auftreten kann.
Wenn wir diese Balance finden, nimmt Druck und Stress ab, Beschwerden werden oft erträglicher, und das Nervensystem kann sich stabilisieren.
5. Die Hoffnung: Schrittweise Stabilität
Selbst bei chronischen Beschwerden – Schmerzen, Schwindel, Reizdarm, Panikattacken oder Angstzuständen – können wir lernen:
uns nicht vom Symptom beherrschen zu lassen
kleine Stabilitätsanker zu setzen
Beziehung zu uns selbst zu pflegen
uns zu regulieren, ohne alles perfekt lösen zu müssen
Es ist nicht rosarot – aber es ist tragfähig. Und genau das ist Gesundheit: nicht die Abwesenheit von Beschwerden, sondern die Fähigkeit, im Leben zu bleiben – mit Unterstützung, Handlung und Akzeptanz.
6. Ein kleines Bild zum Mitnehmen
Stell dir deinen Stuhl wieder vor – mit seinen vier Beinen:
Manchmal wackelt ein Bein: Schmerzen, Panik, Verdauung, Angst
Du kannst nicht alle Beine sofort perfekt machen
Aber Schritt für Schritt lässt sich der Stuhl wieder ins Gleichgewicht bringen, indem du die anderen Beine stabil hältst und den Boden im Blick behältst
So wird der Stuhl tragfähig, auch wenn das Leben unruhig ist.
Fazit
Aushalten allein reicht nicht. Handeln allein reicht nicht.
Gesundheit entsteht in der Verbindung von Wahrnehmen, Handeln und Akzeptanz. Du lernst, im Leben zu bleiben – trotz Beschwerden, trotz Ungewissheit, trotz Frustration.
Und genau darin liegt die Hoffnung: nicht in der Illusion von Heilung, sondern in der Fähigkeit, Schritt für Schritt zu leben.




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