• Alexandra Lang

WARUM ESSEN WIR, WAS WIR ESSEN???

„Eine Party ohne Kuchen ist nur ein Meeting.“ (Julia Child)


In meinem Artikel “Was ist Ernährung” hast du erfahren, dass der Begriff “Ernährung” unsere Nahrung bezeichnet und unser Essverhalten. Das Essverhalten bezeichnet, warum wir wann essen. Kurz wiederholt besteht das Essverhalten aus Innensteuerung, Außensteuerung und kognitiver Steuerung. Darum geht es heute.


Wusstest du, dass wir täglich 200 Entscheidungen rund ums Thema „Essen“ treffen? Essen ist in unserer Gesellschaft ein großes Thema. Mittlerweile ist Nahrung/Essen immer und überall verfügbar: Am Weg ins Büro, am Weg nach Hause, in der Kaffeepause steht sicherlich eine Schachtel Pralinen im Kaffeeraum, wenn man Besuch bekommt, bietet man dem Gast/den Gästen etwas an, wenn man selber auf Besuch ist, wird einem ein Kuchen serviert, etc.


Es herrscht heutzutage ein Überangebot, wie wir es noch nie hatten. Gleichzeitig werden wir aber bombardiert mit Gesundheitskampagnen, Klimaherausforderungen und superschlanken Schönheiten lächeln von Magazinen, in denen die neuesten Ernährungs-Diät-Superfood-Tipps zu lesen sind, damit wir immer gesund, leistungsfähig, superschlank, glücklich, beliebt, perfekt und Klimaneutral leben können. (Der Satz ist absichtlich SEHR verwirrend und lang! 🤦‍♀️)

Ich habe hier versucht die häufigsten Gründe zusammenzufassen, warum wir essen - und Innensteuerung (Hunger und Sättigung) ist dabei leider kaum ein Grund!

1.Geschmack

Wir essen etwas, weil es uns schmeckt. Manche Menschen stehen auf Süßes, andere auf Bitteres oder Salziges. Definitiv Mengenmäßig mehr essen wir, wenn uns etwas gut schmeckt und weniger, wenn wir einen Geschmack nicht so gern mögen.

Auch bei Kindern ist dieses Phänomen zu beobachten.

Der Unterschied zwischen Erwachsenen, die meistens bereits kognitiv gesteuert sind und Kindern, die noch überwiegend von Innen gesteuert sind ist, dass Kinder bei der nächsten Mahlzeit oder am nächsten Tag weniger essen, auch, wenn es wieder gut schmeckt. Der Körper hat die Kontrolle. Erwachsene überessen sich häufiger - auch bei mehreren Mahlzeiten hintereinander und zügeln sich danach kognitiv - z.B. essen einen Tag nur Gemüse, auch, wenn sie Hunger hätten.

2.Kultur und Tradition:

Die Kultur, in der wir leben, bestimmt, was wir essen und auch wann wir essen.

ÖsterreicherInnen essen häufiger Knödel, Schnitzel, Schweinebraten oder Apfelstrudel. Außerdem ist die Hauptmahlzeit traditionellerweise zu Mittag.

In südlichen Ländern wird mehr Fisch und Gemüse gegessen. Die Hauptmahlzeit wird später am Abend eingenommen.

In China ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages, gekocht und besteht meistens aus Suppe.

Traditionen sind beispielsweise ein üppiges Weihnachtsessen, Weihnachtskekse, Osterlämmer, Faschingskrapfen, etc.

3.Preis und soziale Gründe:

Der Preis eines Nahrungsmittels entscheidet maßgeblich von wie vielen Personen es gekauft wird. Viele Menschen können sich Produkte aus dem BIO-Laden nicht leisten. Umgekehrt gibt es Menschen, die nur Produkte aus dem BIO-Laden kaufen, um ihren sozialen Status zu zeigen.

4.Emotionale Wirkung

In unserer Kindheit werden Nahrungsmittel mit Emotionen verknüpft. Beispielsweise wird Schokolade/Süßes oft bei Stress oder als Belohnung eingesetzt. Selbst, wenn wir es heute unseren Kindern nicht mehr so zeigen, lernen sie vorwiegend am Modell (keep that in mind!). Außerdem gibt es kaum eine Fernsehserie, die uns nicht zeigt, dass Eis bei Liebeskummer gegessen wird und ein Gläschen Wein nach dem Arbeitstag beim Entspannen hilft.

5.Verfügbarkeit

Wer kennt es nicht? Man kommt in den Kaffeeraum und da stehen die Pralinen? Wir sind im Freibad, die Kinder bekommen Hunger und man hat nicht genug Jause - beim Buffet gibt es nur Pommes, Eis und Süßes...

6.Gesundheit

Mittlerweile spielt diese Motivation Nahrungsmittel zu wählen eine große Rolle. Gewisse Dinge werden gegessen, weil sie “gesund” sind - sie müssen dafür übrigens nicht einmal schmecken. Oft reden sich die Leute auch ein, dass sie schmecken. Oder aber wie ein Bekannter das erzählt hat. Er habe gelesen, ein Glas Rote-Rüben-Saft am Tag würde den Eisenspiegel verbessern. Daraufhin habe er täglich mit angehaltener Luft ein Glas runter gewürgt. Ein extremes (wahres!) Beispiel. Für mich stellen sich da die Fragen: Hätte es nicht Alternativen gegeben? Inwiefern ist etwas gesundheitsförderlich, was auf psychischer Ebene quält? Andererseits zeigen viele Studien, dass Medikamente die ekelhaft schmecken besser wirken als wohlschmeckende (Placebo).

Wie immer...Du weißt schon: Körper und Psyche sind eine Einheit - Glauben ist viel wert! (Vielleicht interessiert dich mein Artikel über Psychosomatik)

7.Fitness

Es gibt mittlerweile in der Fitnessbranche viele Nahrungsmittel wie z.B. Eiweißshakes oder Kraftriegel, die gegessen und getrunken werden um mehr Muskeln aufzubauen oder eine längere Leistungsfähigkeit oder sonstiges zu erzielen.


8.Schönheit

Nahrungsmittel, die “Schönheit” versprechen erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch hier müssen diesen nicht unbedingt schmecken: „Brokkoli hilft gegen Falten.“ „Hirse macht schöne Haut.“ usw...

9.Verträglichkeit

Leider ist auch dieser Punkt ein Grund, warum Nahrungsmittel gewählt oder weggelassen werden. Unverträglichkeiten nehmen zu. Man kann nicht sicher sagen, ob es deshalb ist, weil Menschen feinfühliger sind bzw. mehr getestet wird oder weil unser Magen und Darm durch falsche Ernährung/industrielle Lebensmittel empfindlicher geworden ist. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Menschen früher eher auf ihre Bedürfnisse gehört und intuitiv gewisse Nahrungsmittel nicht gegessen haben. Sehr wahrscheinlich ist auch unser stressiger Lebensstil und Stress auf Magen und Darm negative Auswirkungen hat.

Wie immer - Nicht jeder Mensch verträgt jedes Nahrungsmittel gleich gut und viele Menschen leben bewusst ohne Fructose, Lactose, Histamin, Gluten, Weizen oder sonst etwas...

10.Werbung

Ein ganz wichtiger Aspekt bei der Auswahl von Nahrungsmitteln ist Werbung. Werbung wirkt, auch, wenn wir glauben, immun dagegen zu sein. Natürlich kaufen wir den neuesten Schokoriegel meistens nicht beim ersten Mal, wenn er uns von einer Plakatwand entgegen lacht. Aber irgendwann wählen wir ihn - oft in einer Situation, in der wir wenig Zeit haben oder erschöpft sind - da greift das Gehirn auf “bekanntes” zurück.

11.Angst

Auch Angst kann bei der Nahrungsmittelauswahl eine Rolle spielen. Angst vor Autoritätspersonen („Iss auf, sonst bin ich böse.“), Angst vor schlechtem Wetter, Angst unhöflich zu sein, Angst krank zu werden,...

12.Pseudowissenschaftliche Gründe

„Eine Studie sagt, dass diese Wunderpille/dieser Shake (was immer) Sie schlanker/gesünder/leistungsfähiger (was immer) macht.“ Diese Informationen werden oft nicht hinterfragt, sondern die jeweiligen Wundermittel einfach verspeist.

QUINTESSENZ

Wenn du die ganzen Aspekte, warum wir ein Nahrungsmittel wählen ansiehst, wirst du merken, dass kaum einer etwas mit UNSEREM KÖRPER und SEINEN BEDÜRFNISSEN zu tun hat.

Das fängt oft schon im Baby- und spätestens im Kleinkindalter an, wenn Eltern ihren Kindern mit dem Essen nachlaufen oder die Flascherl aufpeppen, damit das Fliegengewicht zunimmt oder besser schläft...Immerhin gibt es ja überhaupt keinen anderen Grund, warum ein Baby weinen könnte, außer das es Hunger hat 😜

Denk einmal darüber nach: Wie wählst DU deine Nahrungsmittel und warum?

Vielleicht interessiert dich auch mein Artikel zum Jojo-Effekt…

KLEINE TIPPS MIT AUF DEN WEG:

  • Iss wirklich nur, wenn du Hunger hast und beende eine Mahlzeit, wenn du angenehm satt bist!

  • Vertraue deinem Baby und deinem (Klein-)Kind. Sie wissen ganz genau was sie brauchen und wieviel.

  • Es bringt niemandem etwas, wenn du aus Höflichkeit isst. Schon gar nicht dir selber! Du darfst deine Wünsche und Bedürfnisse haben und selber entscheiden. Übernimm Verantwortung für dich! Dann brauchst du auch keine Diäten mehr! Dein Körper ist ein WUNDERWERK und er weiß, was er tut!

KÖRPER und PSYCHE sind eine EINHEIT. Um gesund zu sein und zu bleiben, müssen wir uns um beide Teile gut kümmern. Dies passiert mit nährstoffreichem, typgerechtem Essen, ausreichend Bewegung und einem liebevollen Umgang mit uns selbst.

Wenn für dich noch Fragen übrig geblieben sind, melde dich gerne.


Ein interessanter Artikel könnte in diesem Zusammenhang auch der über ACHTSAMKEIT sein.

Interessante Literatur:

Ernährungspsychologie“ von Pudel und Westenhöfen


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